Die Brosche Ansteckend

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 49/2018

Im Juli dieses Jahres sorgte die Queen für wilde Spekulationen in den sozialen Netzwerken. Auslöser war die Wahl ihrer Broschen. Als Donald Trump mit seiner Gemahlin dem Vereinigten Königreich einen dreitägigen Besuch abstattete, wählte Elisabeth II. an allen drei Tagen ein anderes Modell. Und weil eine der Broschen ein Geschenk der Obamas gewesen ist, löste die Entscheidung unter Beobachtern Diskussionen aus: Signalisierten die Broschen etwa Distanz der Queen zu Trump und seiner Politik?

Möglich wäre das, denn die Brosche ist einer der ältesten Botschafter der Modegeschichte. Es gibt sie fast so lange, wie Menschen mit Metall arbeiten, nämlich seit der Bronzezeit.

Besonders beliebt war der Brustschmuck in der Antike. Bei Griechen und Römern stand die Funktionalität der Kleidungsnadel im Vordergrund: Mit ihr war es möglich, Gewänder zusammenzuhalten. Gleichzeitig war sie auch immer ein geschätztes Schmuckstück, um schlichte Stoffe aufzuwerten. In der Spätantike gab es neben kunstvollen Modellen der sogenannten Fibeln auch einfach gestaltete Exemplare, die etwa Teil der römischen Soldatenuniformen waren. Dem Einfluss des Byzantinischen Reichs verdankt die Brosche ihre fortlaufende Weiterentwicklung. Es entstanden zahlreiche neue Variationen, die vielfarbig emailliert waren.

Mit Beginn der frühchristlichen Zeit schmückten dann die damals üblichen Inschriften und symbolischen Darstellungen Broschen aller Art. Als sich ab dem 13. Jahrhundert Knöpfe in Deutschland verbreiteten, bekam die Brosche ein Problem: Sie verlor ihre praktische Funktion und wurde zum reinen Schmuckstück. Durch die Jahrhunderte wandelten sich die Motive: Waren im 17. Jahrhundert Blumensträuße und Schleifen beliebt, so schätzte man im 18. Jahrhundert Miniaturen, Reliefs und Porträts aus Emaille.

In den vergangenen Jahren hatte es die Brosche schwer, weil sie vielen in Zeiten von Street- und Sportswear als zu damenhaft galt. Wie man diesen Herbst aber in den Kollektionen sehen kann, wird nun in der Mode wieder verstärkt auf sie zurückgegriffen. Es gibt unter anderem kunstvolle Broschen mit Engelsmotiven (Dolce & Gabbana), Medusenköpfen (Versace), Tierdarstellungen (Gucci) und Federgespinsten (Dries Van Noten). Damit lässt sich nach Art der britischen Königin eine ganze Menge andeuten. Vielleicht ist die Zeit der vielschichtigen Outfits mit subtilen Botschaften angebrochen. Die Männer im Allgemeinen schwer verstehen und solche wie Donald Trump vielleicht gar nicht.

Foto: Peter Langer / Gut gebrüllt: Brosche von Gucci

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