Gürtel Alles geschnallt

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 51/2018

Im Zusammenhang mit Gürteln gibt es wilde Geschichten. Besonders martialisch ist die des Kreuzfahrers Leopold V. Bei den Kämpfen während der Belagerung von Akkon 1191 soll er sich so verausgabt haben, dass sein ursprünglich weißer Waffenrock rot von Blut war. Nur an einer Stelle sei er weiß geblieben, heißt es, nämlich dort, wo Leopold seinen breiten Gürtel trug. Kaiser Heinrich VI. soll ihm daraufhin das Recht erteilt haben, die Farben Rot-Weiß-Rot als neues Banner zu tragen. Dem Mythos nach entstand so die heutige Flagge Österreichs.

Möglicherweise sähe diese Flagge also anders aus, hätte Leopold V. einen dünnen Hüftgürtel getragen. Da er aber einen schweren Waffengurt um die Taille trug, war der weiße Streifen beeindruckend breit. Diese Geschichte dürfte eine Legende sein. Der wahre Kern ist, dass Männer damals nicht die Gürtel trugen, die heute üblich sind: Riemen, die durch Schlaufen an der Hose gezogen werden, damit diese nicht rutscht. Früher symbolisierte ein Gürtel Macht. Er hielt das Gewand zusammen, aber auch die Person des Trägers. Am Gürtel hingen die Waffen, am Gürtel hing das Geld. Den Gürtel legte man höchstens nach der Schlacht ab. Von dieser Bedeutung des Gürtels zeugen heute noch Superhelden: Nahezu jeder Comic-Held trägt einen Gürtel. Batman zum Beispiel den mit Fledermaus-Emblem. Auch Captain America und Figuren wie Asterix und Obelix, Lucky Luke oder He-Man hat man niemals ohne gesehen. Und auch der Superschurke Darth Vader bei Star Wars ist im Besitz eines beeindruckenden Gürtels mit vielen Kontrollelementen. Wer also keinen breiten Gürtel besitzt, kann davon ausgehen, dass er nie zum Marvel-Helden taugen wird.

Neuerdings taucht der Taillengürtel allerdings wieder auf – zwar nicht auf dem Schlachtfeld, aber in der Herrenmode. In den Herbst-Winter-Kollektionen von Emporio Armani beispielsweise schließt der Mantel mit einer breiten Schnalle. Bei Cerruti wird er um die Taille geknotet, bei Dior Homme gegürtet – beides verleiht dem Träger eine Sanduhr-Figur.

Bei Dolce & Gabbana wird ein schwarzer Gürtel um ein rotes Paisley-Oberteil geschlungen, was an einen Morgenmantel erinnert. Interessanterweise sehen die neuen Taillengürtel für Herren nicht maskulin aus, sondern verpassen ihrem Träger eine eher weibliche Note. Das liegt vielleicht daran, dass der Taillengürtel bei Herren in der Renaissance aus der Mode kam und fortan nur noch bei Frauen zu finden war. Was nicht das Schlechteste ist. Denn welcher Mann will heute noch martialisch aussehen?

Foto: Peter Langer / Bitte enger schnallen: Mantel mit Gürtel von Giorgio Armani

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