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Tom Franz "Meine Familie und die Religion sind mein großes Glück"

Tom Franz schrammte knapp an einem Unglück vorbei und fand dadurch zum Glauben. Das hat sein Leben sehr verändert. Interview:
Aus der Serie: Das war meine Rettung ZEITmagazin Nr. 52/2018

ZEITmagazin: Herr Franz, in Israel kennt man Sie, weil Sie 2013 in einer Fernseh-Kochshow den ersten Platz belegten. Woher kommt Ihre besondere Bindung zu dem Land?

Tom Franz: Meine ersten Kontakte knüpfte ich bei einem Schüleraustausch. Einige Jahre später habe ich bei der "Aktion Sühnezeichen Friedensdienste" mitgemacht. Ich war 23, mir gefiel das Land sofort, und ich wusste, da will ich leben.

ZEITmagazin: Was hat Sie an Israel besonders beeindruckt?

Franz: In Deutschland hatte ich – außer zu Hause bei meinen Eltern – nie ganz das Gefühl dazuzugehören, das Gefühl, daheim zu sein. Die Mentalität der Israelis, das Direkte und Offene – was mir selbst nicht so gegeben ist – habe ich sofort bewundert. So wollte ich auch sein. Die Sprache gefiel mir, und ich lernte Hebräisch, obwohl ich damals noch nicht wusste, wofür eigentlich.

ZEITmagazin: Wie kam es, dass Sie später nach Israel zogen?

Franz: Ein einschneidendes Erlebnis ereignete sich, als ich während der Semesterferien in einem Krankenhaus in Tel Aviv arbeitete und mir bei Sanierungsarbeiten fast ein Eisenrohr auf den Kopf fiel. Die Stange schlug direkt vor meinem Gesicht ein Fenster kaputt. Es war so knapp, mein Leben wäre fast vorbei gewesen. Dieses Erlebnis war mein spirituelles Erwachen. Es brachte mich zum Glauben an göttliche Fügung – und dieser führte mich zum Judentum.

ZEITmagazin: Sie kannten die Religion bis dahin nicht?

Franz: Nein, ich hatte an gar nichts geglaubt. Das Judentum zog mich an und machte mir zugleich Angst. Es war, wie wenn man auf einem hohen Turm steht und runterschaut – du spürst eine Anziehung, und gleichzeitig willst du weg. Ich wusste, ich würde konvertieren müssen, aber erst acht Jahre später war ich bereit dafür.

ZEITmagazin: Was gibt Ihnen der Glaube?

Franz: Ich wurde durch ihn ein ausgeglichener Mensch. Ich habe in meinem Leben sehr viel verändert und vieles von mir abgeschüttelt, vor allem Oberflächliches und Marotten. Ich hatte zuvor Jura in Deutschland studiert und bekam ein Stipendium für ein Doktorat in Israel, alles hatte irgendwie gepasst. Nach der Konversion fühlte sich das Single-Leben in Tel Aviv falsch an. Ich war 33 und hatte keine Lust mehr auf Frauengeschichten. Ich wollte die Religion mit der Richtigen leben, also habe ich alle Telefonnummern von Frauen gelöscht und zu Gott gebetet und mir gesagt, ich warte jetzt, bis Gott mir die Richtige schickt.

ZEITmagazin: Das klappte?

Franz: Vier Tage dauerte es, dann habe ich meine zukünftige Frau Dana getroffen. Sie saß auf einer Bank in Tel Aviv in der Jermijahu-Straße. Nach einigem Zögern ging ich zu ihr hin und sprach sie an. Inzwischen sind wir seit elf Jahren zusammen und haben vier Kinder. Das war die schönste Fügung. Genau so erging es mir auch mit dem Kochen. Meine Frau war überzeugt, ich sollte mich bei der Sendung Masterchef bewerben. Ich war Mitte dreißig und Anwalt und dachte, da fange ich doch nicht an, als Koch zu arbeiten.

ZEITmagazin: Wie schaffte es Ihre Frau, dass Sie sich am Ende doch bei der in Israel sehr populären Kochshow bewarben?

Franz: Nach der zweiten Staffel wurde unser Sohn geboren. Es war eine schwierige Geburt, meine Frau wäre beinahe gestorben. Es dauerte sechs Monate, bis sie wieder richtig da war. Die dritte Staffel wurde gerade vorbereitet, und meine Frau fing wieder an: "Es ist jetzt an der Zeit, dass du mitmachst!" Ich war nach der schlimmen Zeit ein bisschen durch und sagte: Okay, dann gehe ich halt hin und mache das für dich. Ich las eine Reihe professioneller Kochbücher, auch wenn ich nie nach Rezepten koche. Ich habe mich richtig reingehängt und dann nach vier harten Monaten im Studio unter den 6.000 Bewerbern den Titel "Masterchef" geholt.

ZEITmagazin: Und Sie meinen wirklich, das war Bestimmung?

Franz: Ja, daran besteht für mich kein Zweifel. Lange Zeit hatte ich Hemmungen, meine jüdische Religion auszuleben, aber mein Glaube ist immer stärker geworden. Meine Familie und die Religion sind mein großes Glück, ich sehe beides als eine Aufgabe an. Ich habe der Spiritualität den größten Platz in meinem Leben eingeräumt, danach kommt die Familie und dann die Karriere. Ich dachte, das mit dem Kochen machst du mal zwei Jahre lang.

ZEITmagazin: Heute ist es Ihr Hauptberuf. Sie veranstalten Events und schreiben Bücher. Hat das Kochen Ihnen Israel nähergebracht?

Franz: Hier bin ich für die Leute nicht irgendein Deutscher, sondern Tom Franz: der Deutsche, der konvertiert ist. Sie kennen meinen Lebensweg, ich bin fast schon eine Marke.

Das Gespräch führte Louis Lewitan. Er ist Psychologe und gehört neben der Fotografin Herlinde Koelbl, Evelyn Finger, Anna Kemper, Ijoma Mangold, Christine Meffert und Khuê Phạm zu den Interviewern unserer Gesprächsreihe

Kommentare

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Nehmen wir einmal an, ich würde jetzt zum Judentum konvertieren, oder zum Islam. Wäre ich dann nicht mehr ich? Oder auf einmal ein total anderer? Ich richte mein Leben nicht an einer Religion aus, sondern nach meinem innerem Gefühl.
Was steht in der Bibel. "Gott ist in Dir" , also ist er immer bei mir. Das ist gut.

Ich verstehe das nicht, einige Menschen denken, wenn sie einen anderen Glauben annehmen, verändert sich ihr Leben zum positiven. Wenn ich 10000 € schulden haben sollte, gehen die davon auch nicht weg. Man muss auch schon selber an sich und seinem Leben arbeiten. Und auch an sich selbst glauben können.

Ansonsten sollte man auch diesen Vers vor Augen haben:
Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.
https://dailyverses.net/d...
Das kann man im positiven wie im negativen sehen. Getreide anbauen und ernten, oder die Folgen von Kriegen ernten.

"Nehmen wir einmal an, ich würde jetzt zum Judentum konvertieren, oder zum Islam. Wäre ich dann nicht mehr ich? Oder auf einmal ein total anderer?"

Ich versteh das auch nicht. Ich würde es eher verstehen, wenn man sich das wie einen Musikverein raussucht. Finde ich die Leute da nett und wird da die Musik gespielt, die ich mag? Bei den Religionen passt den einen vielleicht eher die bilderreiche, für die Sinne gemachte Liturgie, bei anderen eher der spartanische bilderlose Ansatz. Geschmackssache.

Aber dieses ganze Dogmatikzeugs... Abschreckend.

Mich betrifft's zum Glück nicht, ich glaub das alles sowieso nicht.