Die großen Fragen der Liebe: Wie einigt sich die Patchworkfamilie an Weihnachten?

Wer mit dem Kind den Heiligen Abend verbringen darf, ist ein besonders heikles Thema für viele getrennte Eltern. Es verlangt Fingerspitzengefühl – und gute Kommunikation. Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 52/2018

Die Frage: Thomas und Barbara sind geschieden und haben das gemeinsame Sorgerecht für den sechsjährigen Marco. Bisher haben sie Weihnachten so geregelt: An Heiligabend feierte Barbara mit ihrer Mutter und Marco. Am ersten Feiertag holte der Vater Marco ab und feierte am Abend noch einmal mit den Großeltern. Seit einem knappen Jahr ist Thomas mit einer neuen Frau zusammen, die eine Tochter in Marcos Alter hat. Nun will er mit Barbara tauschen – er bekommt Heiligabend, damit die Kinder zusammen feiern können. Marco finde das auch toll! Barbara ist sauer. "Das hättest du zuerst mit mir besprechen müssen! Du kannst doch nicht Marco als Verbündeten anwerben und mich umzingeln!" – "Findest du diesen Vergleich nicht zu kriegerisch?", wehrt sich Thomas.

Wolfgang Schmidbauer: Der Vergleich bringt es auf den Punkt – hoffentlich noch zur rechten Zeit, denn ein Gezerre vor Heiligabend kann in Scheidungsfamilien durchaus kriegerische Aspekte annehmen. Umso mehr ist jeder kleine Beitrag zur Friedenssicherung zu schätzen. Eine klare Absprache der Eltern, bevor sie mit ihren Kindern reden, sollte selbstverständlich sein. Getrennte Eltern fahren am besten, wenn sie sich wie geachtete, aber auch empfindliche Kollegen in einem gemeinsamen Arbeitsverhältnis behandeln. Jeder Anschein von Unzuverlässigkeit oder Heimlichtuerei sollte penibel vermieden werden. Sonst kann es selbst nach einvernehmlichen Trennungen zu bösem Streit kommen. Es ist kein Zufall, dass Anwälte in den Tagen vor Weihnachten besonders viel zu tun haben.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Raubbau an der Seele. Psychogramm einer überforderten Gesellschaft" (oekom verlag).

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

Gewöhnen Sie sich daran. Vielleicht eine Pause mit Kind im Säuglingsalter, danach dürfen Sie auch zur Familie der Partnerin/des Partners bzw. mit den Kindern zu sämtlichen Omas & Opas :-).

Schöne Feiertage.

König Salomon hätte heutzutage sehr viel zu tun ... und solange der Traum von der täuschend echten Abbildung (Hologramm) immer noch keine Wirklichkeit ist, würde man sich nur durch ein Los-Verfahren elegant aus der Affäre ziehen. Der Zufall, der ohnehin, sowohl für die missratene Partnerwahl verantwortlich war, als auch für die resultierende Konsequenz, die in diesem Fall auf den Namen Marco hört, ist keinem Rechenschaft schuldig. Solche Konstellationen sind de facto fatal und traurig. Wer will sich anmaßen, die patente Lösung parat zu haben? Ob der Vater einen Grundkurs in Diplomatie bestehen würde, ob die Mutter zu Gunsten des Kindes sich grossherzig zeigen würde, oder eben jeweils nicht, ändert sich an das beliebige Resultat einer Entweder-Oder-Situation nichts. Also dann, auf die Plätzchen nach dem Los! ... Irgendwie übersteht man alles! Frohe Zeiten!

Ob es wohl auch getrennte Eltern gibt, die sich an Weihnachten mal zusammenreißen und den Heiligen Abend gemeinsam mit ihren gemeinsamen Kindern verbringen? Das wäre doch wohl die Lösung, die viele Kinder am liebsten hätten.

Diesen Vorschlag finde ich persönlich hervorragend. Die erste Voraussetzung ist allerdings, dass die Eltern einen zivilen und situationsabhängigen Umgang mit einander ganzjährig pflegen würden. Sobald man aber auch an die logistischen Schwierigkeiten denkt, wird das ganze sehr schnell ad absurdum geführt. Getrennt lebende Eltern führen in der Regel zwei Haushalte. In dem jeweiligen Haushalt leben womöglich noch neue Partner dazu, die wiederum auch Kinder haben. Wo sollte nun eine solche Zusammenkunft stattfinden? Was geschieht solange mit den fremden Menschen? ...

Getrennte Eltern? Wie muss man sich das denn vorstellen? Waren das vorher siamesische Zwillinge? Sie meinen wahrscheinlich getrennt lebende Eltern.

Ich mein ja nur, wenn wir schon so schön wortklaubern.