Serena Williams: Wie weiß muss Tennis sein?

Was wird sie anziehen? Das wirkt wie eine Frage aus einer anderen Welt als der des Sports – einer mit roten Teppichen und Frauen, die um den Namen ihres Kleiderdesigners und nicht um ihre Meinung gebeten werden. Dass man es trotzdem wissen will bei Serena Williams, die beim Turnier in Wimbledon antritt, hat einen anderen Grund: Die Tennisspielerin fordert mit ihren Outfits immer wieder diejenigen heraus, die für den Court auf der Tradition beharren. Weiß gekleidet – für Wimbledon festgelegt ist ein Anteil von 90 Prozent –, und Frauen bitte am besten mit kurzem, wippendem Röckchen. Williams findet beim Ankleiden die richtige Antwort auf solche Vorgaben: Verbietet man ihr den knallengen Catsuit, erscheint sie das nächste Mal im schwarzen Tutu. Hat sie genug von sachlichem Performance-Wear, erscheint sie mit komplizierten langen Fingernägeln, im kleinen Schwarzen mit Nieten, mit offenen Haaren, um die im Stil griechischer Vestalinnen Bänder gewunden sind. Das wirkt oft maximal unpraktisch, wie auch das Cape neulich, das beim Spiel um sie herumwehte und wolkengleich wallte und von Virgil Abloh, dem Gründer des Label Off-White, für Williams' langjährigen Sponsor Nike entworfen worden war. Doch Serena Williams beweist mit ihrem Gespür für Mode nicht nur, dass die standardisierte Sportkleidung der anderen eine öde Angelegenheit ist – sie will eben auch zeigen, dass die Zweckmäßigkeit des weißen Röckchens nur eine Behauptung ist. Und eine Bevormundung, denn sollte nicht jeder selbst entscheiden dürfen, wie er oder sie am besten Tennis spielen kann?

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