Waldorfschule: Was bedeutet es heute, Waldorfschüler zu sein?

Über den Mikrokosmos der Waldorfschulen wird viel geredet, unter anderem darüber, ob man es hier mit einem sich verschließenden Weltbild zu tun bekomme. Was meistens nicht fehlt, ist der Hinweis, dass Waldorfschülerinnen und Waldorfschüler ständig ihren Namen tanzen. Natürlich kann man das in der Eurythmieklasse tun, doch im Grunde geht es darum, dass jeder Buchstabe seine eigene Gestik hat: So wird etwa ein Gedicht in Gebärden, Bewegung und Rhythmus übersetzt. Der Fotograf Jan A. Staiger hat selbst eine Waldorfschule besucht – 2017 ist er dorthin zurückgekehrt, für sein fortlaufendes Projekt "Ich schaue in die Welt". Die Zeile ist dem alltäglichen Morgenspruch der Waldorfschulen entlehnt, einem Gedicht Rudolf Steiners: "Ich schaue in die Welt / In der die Sonne leuchtet / In der die Sterne funkeln / In der die Steine lagern / Die Pflanzen lebend wachsen / Die Tiere fühlend leben / In der der Mensch beseelt / Dem Geiste Wohnung gibt." Jan A. Staiger hat sich auf greifbarere Elemente beschränkt, sich einen sachlichen Zugang zum Thema gesucht: Schüler und Räume seien für ihn die prägendsten Aspekte seiner Schulzeit. "Es ist immer noch ein merkwürdiger Ort – faszinierend und obskur, inspirierend und bedrückend zugleich", schreibt er. Aber das lässt sich vermutlich auch über viele andere Schulen sagen.

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