Alba August "Meine größte Angst war, dass meine Mutter sterben könnte"

© Mads Teglers
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 1/2019

Als Kind hatte ich große Schwierigkeiten, einzuschlafen. Ein Therapeut hat mir eine Technik beigebracht, die mir geholfen hat: Ich sollte mir mit den Augen zwei feste Punkte suchen, einen davon fixieren und dann schnell zwischen den beiden wechseln, immer wieder. Das hat mir geholfen, in den Schlaf zu finden.

Damals habe ich mich oft allein und verlassen gefühlt. Ich hatte zahlreiche Ängste. Die größte war, dass meine Mutter sterben könnte. Sie war extrem wichtig für mich, unersetzlich. In einem Albtraum, den ich mit sechs oder sieben hatte, bin ich in einer Kutsche unterwegs. Am Straßenrand sehe ich meine Mutter, sie wurde zusammengeschlagen, liegt da in ihrem Blut, tödlich verwundet. Dieser Albtraum hat mir fürchterliche Angst gemacht.

Mein Vater war in meiner Kindheit nicht sehr präsent, vielleicht hat das meine Ängste um meine Mutter verstärkt. Und auch sie war oft nicht da, als Schauspielerin hat sie immer wieder im Ausland gearbeitet. In Star Wars: Episode 1 – Die dunkle Bedrohung spielte sie die Mutter des jungen Anakin Skywalker, eine Sklavin, die geprügelt und schwer misshandelt wurde. Vielleicht haben auch diese Szenen zu meinem Albtraum beigetragen. Und selbst wenn meine Mutter nach Hause kam, war sie manchmal innerlich abwesend. Zumindest erscheint mir das im Rückblick so, womöglich übertrage ich auch nur meine eigenen Erfahrungen auf sie: Nach einem Drehtag bin ich immer extrem erschöpft, muss gleichzeitig den Tag verarbeiten und mich auf den nächsten vorbereiten. Dabei gerate ich häufig in einen merkwürdigen Zustand. Vielleicht ist es ja tatsächlich besser, nach einem Drehtag gar nicht erst zu Freunden oder der Familie zurückzukehren.

Seit meiner Kindheit neige ich dazu, mich in Tagträumen zu verlieren. Das kann sehr inspirierend sein, bringt mich aber auch immer wieder in Schwierigkeiten. Oft entgehen mir dabei wichtige Informationen. Ich muss dringend lernen, meine Tagträume besser zu kontrollieren. In der Schule ist es mir sehr schwergefallen, mich auf den Unterricht zu konzentrieren. Nach der Stunde hatte ich manchmal keine Ahnung, worüber die Lehrer geredet hatten: Ich hatte dann zwar so gut wie nichts gelernt, konnte dafür aber genau sagen, welche Kleidung die Lehrer getragen hatten, wie ihre Stimme geklungen hatte, wie sie gerochen hatten und in welcher Stimmung sie gewesen waren. Ähnliches passiert mir heute noch manchmal.

Zurzeit versuche ich, den passenden Lebensstil für mich zu finden. Das ist nicht so einfach: Einerseits macht es mir Angst, die Kontrolle zu verlieren, andererseits bin ich extrem schnell gelangweilt, kann Routine nicht ertragen und brauche ständige Veränderung. Leerlauf ertrage ich nicht.

Ich träume davon, eine Balance zu finden. Wenn ich zu viel Zeit mit anderen Menschen verbringe, bekomme ich zu viel Input, das bringt mich durcheinander. Ich muss besser darin werden, Prioritäten zu setzen, und mir mehr Zeit für mich nehmen. Nur dann kann ich all das, was in meinem Leben geschieht, verarbeiten.

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