© Daniel Delang

Arbeit auf dem Kreuzfahrtschiff Unter Deck

ZEITmagazin Nr. 2/2019
Die billigen Kreuzfahrten von Aida, Costa und MSC sollen ein Luxus für jeden sein. Den Preis zahlen die Arbeiter. Von und

Bevor Michael Flores* seine Freundin treffen kann, muss er drei Hummer oder eine teure Flasche Wein verkaufen. Das ist der Preis der Freiheit für Flores, der 35 Jahre alt ist, von den Philippinen stammt und als Kellner an Bord eines Kreuzfahrtschiffes der Linie Costa arbeitet. Die Reederei Costa hat ihren Sitz in Genua, aber ihre Flotte fährt Häfen auf der ganzen Welt an. Besonders häufig ist Flores im Mittelmeer unterwegs. Während des Abendessens preist er die Hummer auf einem Servierwagen an, und wenn er drei davon verkauft hat, darf er am nächsten Tag das Schiff verlassen, so erzählt er es. Das habe sein Vorgesetzter so festgelegt, es sei eine interne Regel, sagt Flores. Seine Freundin Valerie Fischer, eine 32-jährige Deutsche, fliegt, wenn sie kann, in die Häfen, in denen Flores anlegt, nach Marseille, Dubai oder Ibiza, um ein paar Stunden mit ihm zu verbringen. Dass Michael Flores drei Hummer oder eine teure Flasche Wein verkauft, kommt selten vor, vielleicht ein- oder zweimal im Jahr.