Haartrends Die Haaresvorschau 2019

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 2/2019

Wie jedes Jahr um diese Zeit und an dieser Stelle wagen wir auch in diesem Jahr eine Haaresvorschau. Mit Betonung auf "wagen", denn die Lage ist so verworren wie die Haare von Cyndi Lauper nach dem Aufstehen. Alles durcheinander. Auf den Köpfen und in den Köpfen.

Ich versuch jetzt mal ganz vorsichtig, mit dem Kamm durchzugehen, okay?

Fangen wir mit dem Status quo an. Klamottentechnisch ist die Sache klar, die Achtzigerjahre sind zurück, niemand verlässt das Haus ohne weiße Tennisschuhe und Sweatshirt von Ellesse, und später geht es noch auf ein Konzert von Herbert Grönemeyer.

Haartechnisch hingegen herrscht Ratlosigkeit. Einige versuchen naheliegenderweise, auch obenrum auszusehen wie 1986, der Bayern-Spieler Joshua Kimmich zum Beispiel, der sich seit einiger Zeit einen mickrigen Schnauz stehen lässt, doch bislang nur seinen Mannschaftskollegen Serge Gnabry anstecken konnte.

Ansonsten sieht es auf den Köpfen und in den Gesichtern des Landes aus wie in einem Musical über das 20. Jahrhundert. Die Mädchen tragen Rundschnitt oder einen Seventies-Kurzhaarschnitt, die Normfrisur bei den Jungs ist immer noch der Undercut, ein Schnitt mit leichten Anklängen an die Dreißigerjahre (um es freundlich auszudrücken), welcher erstaunlicherweise oft gepaart wird mit

a) dem Imam-Bart (Bushido),

b) dem Dreitagebart (Ingo Zamperoni),

c) dem Hipster-Vollbart (alle anderen).

Wie passt das jetzt wieder zusammen? Die Anklänge ans Nationalistische, ans Fundamentalistische, ans Hedonistische, ans Zivilisationskritische? Eben gar nicht!

Der Versuch, daraus eine These abzuleiten, ist etwa so schwierig, wie aus den jüngsten Wahlentscheidungen europäischer Wahlvölker stabile Regierungen zu bilden. Was heißt das jetzt fürs kommende Jahr? Offen gestanden, wir wissen es nicht. Schon x-mal haben wir an dieser Stelle das Comeback des Zopfes und das Comeback des Stoppelhaarschnitts vorausgesagt, aber nichts davon ist passiert. Was Haaresvorschauen betrifft, war unser Selbstvertrauen schon mal größer. Deshalb: Bis auf Weiteres darf einfach alles bleiben, wie es ist, denn so, wie es ist, ist es wunderbar, Sie sehen fantastisch aus, kleben Sie sich diesen Satz an den Spiegel, und, ja, es wird ein wunderbares Haar!

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