Damon Albarn "Ein großer musikalischer Traum wäre eine Begegnung mit Mozart"

© Axel Hoedt
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 4/2019

Weil ich beruflich viel auf Reisen bin, habe ich gelernt, überall zu schlafen. Ich muss nur die Augen schließen, und schon dämmere ich weg, egal ob in Zügen, Flugzeugen, Schiffen oder Bussen. Ob ich dabei nun träume oder nicht, ich bin immer froh, wenn ich meine sieben Stunden Schlaf bekomme, denn die brauche ich.

Auf Tourneen hat mich lange Zeit ein bestimmter Traum verfolgt. Da betrete ich allein eine Bühne, der Saal ist rappelvoll, ich beginne zu spielen, und ganz langsam verlassen die Zuhörer den Raum, einer nach dem anderen. Das geht so weiter, bis ich allein in der Konzerthalle bin. Ich spiele dennoch weiter und finde es gar nicht so schlimm, allein mit meiner Musik zu sein. Ich genieße es sogar.

Ich könnte diese Situation sicherlich auch als Albtraum empfinden, das tue ich aber nicht. Die Grundidee des Träumens ist doch, dass man sich in wundersamen Parallelwelten bewegt. Daran kann ich nie etwas Unangenehmes finden. Träume helfen mir beim Rekalibrieren meiner Gedanken.

Schon als Kind habe ich ausgiebig geträumt. Ein etwas sonderbarer Traum hat mich damals lange begleitet. Da ging es um eine Kommune von Frauen, die in einer geheimen Welt lebt. Der Eingang zu dieser Welt war in unserem Badezimmer versteckt. Diese Frauen habe ich oft und mit Begeisterung in meinen Träumen besucht. Es waren sehr viele Frauen, junge und alte, und wir hingen einfach so ab. Ich war der einzige Junge in ihrer Welt, und sie waren sehr freundlich zu mir. Ich fühlte mich so wohl in ihrer Gesellschaft, dass ich immer etwas traurig war, wenn ich aus diesen Träumen aufgewacht bin.

Es mag abgedroschen klingen, aber meinen Beruf empfinde ich wirklich als Traum. Denn tatsächlich kann ich alle meine Fantasien wahr werden lassen. Ich habe ja nicht nur Rockmusik gemacht, sondern auch Musicals und Filmsoundtracks geschrieben, sogar eine chinesische Oper.

Es gibt so viele weitere Formate, die ich noch ausprobieren möchte. Demnächst will ich mich an klassischer Musik versuchen. Da tun sich für mich ganz neue Welten auf: Sonaten, Oratorien und Sinfonien reizen mich besonders. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob ich wirklich eine Sinfonie in mir habe oder überhaupt auf diese Weise komponieren kann. Die Angst vor dem Scheitern kenne ich allerdings nicht. Und das, obwohl ich schon einige Male fürchterlich gescheitert bin, was nicht so angenehm war. Mein Musical zum Beispiel war eine krachende Niederlage. Aber jede Niederlage facht meine Neugier nur noch mehr an.

Ein großer musikalischer Traum wäre eine Begegnung mit Mozart. Der hat Musik wirklich gelebt. Mir würde es schon reichen, einfach nur ein bisschen Zeit in der Gegenwart eines solchen Genies zu verbringen. Vielleicht treffe ich ihn ja mal in meinen Träumen.

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