Alexa Chung "Beim Schlafwandeln nehme ich nur wahr, dass gerade etwas Komisches mit mir passiert"

© Andrea Grambow & Joscha Kirchknopf
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 6/2019

Schon als Kind habe ich nicht besonders gut geschlafen. Das ist noch heute so. Ich wache nachts mehrfach auf, dadurch werde ich immer wieder aus meinen Träumen gerissen. Meistens handeln sie von Freunden oder Bekannten. Vor Kurzem habe ich zum Beispiel von einem Mädchen geträumt, mit dem ich zusammen gemodelt habe, als ich 16 war. Wir waren eine Zeit lang befreundet, dann riss der Kontakt ab. In meinem Traum begegnete ich ihr wieder. Sie erzählte, dass sie mittlerweile in der Filmbranche arbeite. Später besuchten wir gemeinsam eine Poolparty, auf der plötzlich Ballons vom Himmel fielen. Ich drehte mich zu den anderen Gästen um, weil ich sichergehen wollte, dass sie diesen Moment für Instagram festhielten.

Als ich morgens aufwachte, musste ich sofort den Namen des Mädchens googeln. Sie dreht mittlerweile tatsächlich Filme – das ist doch verrückt! Ich fand das ebenso irritierend wie die Tatsache, dass Instagram in meinem Traum eine Rolle gespielt hatte. Wieso schleicht sich diese Technologie in meine Träume?

Einige meiner Freunde sind anscheinend davon überzeugt, dass ich hexen kann oder sonst irgendwelche übersinnlichen Fähigkeiten habe. Kurz vor Weihnachten träumte ich zum Beispiel davon, dass das Haus eines Bekannten in der Schweiz abbrennt. Das erzählte ich einem gemeinsamen Freund. Nach den Feiertagen erfuhr ich dann, dass der Bekannte in der Schweiz in diesem Jahr auf echte Kerzen am Weihnachtsbaum verzichtet hatte, nachdem ihm unser Freund von meinem Traum erzählt hatte. Der hatte ihm nämlich Angst eingejagt. Seither habe ich mir vorgenommen, einige meiner Träume künftig lieber für mich zu behalten.

Manchmal schlafwandle ich. Das führt dazu, dass ich hinterher nicht weiß, was tatsächlich passiert ist und was nur ein Traum war. Beim Schlafwandeln bin ich zwar ein bisschen wach, aber eben nicht komplett. Ich nehme nur wahr, dass gerade etwas Komisches mit mir passiert. Vor ein paar Jahren hatte ich nach dem Aufwachen eine vage Erinnerung an so eine eigenartige Situation: Ich befand mich im Flur meines Apartments in New York, völlig nackt, nur mit einer Lederjacke über den Schultern und einer Tasche in der Hand. Ich stand auf, ging in den Flur – und sah auf dem Boden meine Lederjacke und die Tasche liegen. Da wusste ich, dass ich nicht geträumt hatte, sondern dass ich mal wieder geschlafwandelt war.

Als Teenager machte ich mir meine Kleidung oft selbst. Daraus entstand mein Traum, irgendwann ein eigenes Modelabel zu gründen. Den habe ich mir vor zwei Jahren erfüllt. Mein heutiges Leben geht über meine wildesten Träume hinaus. Ich habe die meisten meiner Helden getroffen, Leute wie Karl Lagerfeld oder Miuccia Prada, ich war an einigen spektakulären Orten. Deshalb sind die Träume, die ich heute habe, eher bodenständig: Ich träume davon, ein normales Leben zu führen, mit einem Partner und einer eigenen Familie. Das mag relativ bescheiden wirken – es ist aber das Wichtigste im Leben.

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