Batik Schönfärberei

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 7/2019

Zurzeit wirken etliche Modekollektionen so, als hätten die Designer mit großen Farbeimern gespielt, denn fast überall ist Batik zu sehen: Röcke mit Farbverläufen bei Prada. Ein Kostüm in einem Rostbraun-Weiß-Gemisch bei Issey Miyake. Bunt gefärbte Oberteile bei Victoria Beckham. Kleider mit Batikmustern in Violett und Jadegrün bei Calvin Klein Collection.

Die Batik löst sentimentale Gefühle aus, denn fast jeder hat sie früher mal ausprobiert. Man schnürt ein weißes T-Shirt ein, knotet es oder beträufelt es mit Wachs und taucht es in verschiedene Farbbäder. Batik geht fast nie schief – und gibt einem das befriedigende Gefühl, selbst etwas zu erschaffen. Außerdem wird sie bis heute mit der Hippie-Mode assoziiert: In den Siebzigerjahren waren Batikstoffe die Uniform der Gegenkultur. Die simple Herstellung setzte ein Zeichen gegen die Modeindustrie und stand für die Individualität im Gegensatz zur Masse. Den Tarnfarben des Militärs begegnete man mit bunter Mode. Janis Joplin wurde nachgesagt, dass sie auf gebatikten Satin-Laken schlief.

In der Mode gibt Batik teurer Laufstegbekleidung einen charmanten Touch von do it yourself. In den Achtzigerjahren gab es eine Batikwelle, in den Neunzigerjahren ebenfalls – und nun ist es wieder so weit. Wann immer man sich auf der guten Seite der Menschheit wissen will, tut man das am besten in Batikmode.

Dabei wurde Batik ursprünglich keineswegs mit Aussteigertum assoziiert. Sie ist ein traditionelles Textilfärbeverfahren aus Indonesien, bei dem Muster und Verzierungen in Handarbeit mit flüssigem Wachs auf das Gewebe aufgezeichnet werden. Auf alten Darstellungen in den hinduistischen Tempeln Indonesiens findet man Zeichnungen von Tänzerinnen, die gebatikte Sarongs tragen. Muster und Farben waren ein Standessymbol. Die Größe der Muster verwies auf die Höhe des Ranges. Traditionelle Batik ist nichts für Amateure: In der ursprünglichen indonesischen Technik werden mit einem Kännchen voll flüssigem Wachs Muster gezeichnet. Danach wird der Stoff gefärbt und wieder neu bearbeitet. Bis ein Stoff fertig ist, dauert es zwei bis drei Monate.

So wähnt sich der Batikträger der südostasischen Kultur nahe und ist ihr doch sehr fern. Denn wirkliche Batikkunst ist etwas vollkommen anderes als die Planscherei im Farbeimer. Der Sänger Kurt Cobain soll übrigens mal einen Vorschlag gemacht haben, wie man den Look interessanter gestalten könnte. Er werde erst ein Batik-Shirt tragen, hat er der Musikzeitschrift Melody Maker gesagt, wenn es mit dem Urin von Phil Collins und dem Blut von Jerry Garcia gefärbt sei.

Foto: Peter Langer / Läuft: Batikmuster-Tasche von Prada

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