© Silvio Knezevic

Muhammara Die Dipisierung des Abendlandes

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Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 7/2019

Ich ahne, dass niemand Dips so gern mag wie ich, dass viele Leute Dips sogar bescheuert finden, wegen ihrer lächerlichen lautmalerischen Bezeichnung, wegen ihrer breiartigen Konsistenz oder einfach weil es schlicht keine Anlässe gibt, einen Dip zuzubereiten. Zumal im tiefsten Winter, wenn man sich nach einem warmen, umarmenden Essen sehnt. Ein Dip ist kein richtiges Abendessen, auch kein schnelles Mittagessen. Man könnte einen Dip als Vorspeise vor einer Vorspeise zubereiten, wenn Gäste kommen. Ich persönlich esse ihn auch zum Frühstück, Liebe braucht keinen Anlass. Und so empfehle ich hier wahrscheinlich vergeblich diese Paste namens "Muhammara" aus gerösteten Paprika mit Walnüssen. Sie wird vor allem in Syrien, im Irak, im Libanon und in der Türkei gegessen, und ja, ich liebe alle Dips, ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Glaubens und ihrer politischen Anschauungen. Für Muhammara verwendet man Granatapfelsirup, der süß und fast so sauer wie Essig schmeckt und nichts mit der Art von Sirup zu tun hat, die man mit Wasser trinkt. Die Islamisierung des Abendlandes ist aber noch nicht so weit vorangeschritten, dass es hier in jedem Supermarkt Granatapfelsirup gäbe. Alternativ kann man Balsamico und Honig verwenden.

Paprikaschoten halbieren, Stiel und Kerne entfernen, Paprikahälften vierteln, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen, mit Olivenöl benetzen, salzen und bei 200 Grad Umluft im Ofen ungefähr 25 Minuten lang backen. Währenddessen Walnüsse und Kreuzkümmel ungefähr 5 Minuten lang in einer beschichteten Pfanne ohne Fett rösten. Weißbrot toasten (man kann auch welches vom Vortag nehmen, dann entfällt das Toasten), grob zerbröseln. Paprika aus dem Ofen holen. Zusammen mit den Walnüssen, dem Kreuzkümmel und dem zerbröselten Brot in eine hohe Schüssel geben. Tomatenmark, Balsamico, Honig, Chili, Zitrone, etwas Salz und Olivenöl dazugeben. Alles zu einer glatten Masse pürieren. In der Pfanne in etwas Olivenöl ein paar Scheiben Weißbrot von beiden Seiten goldbraun rösten.

Muhammara (Dip aus gerösteten Paprika)

Zutaten: 3 rote Paprika, etwas Olivenöl, Salz, 80 g Walnusskerne, 1 TL Kreuzkümmelsamen, 2 Scheiben Weißbrot, 2 EL Tomatenmark, 1 EL Balsamico, 1 EL dunkler Honig, 1 TL Chiliflocken, Saft von ½ Zitrone, 4 EL Olivenöl, Weißbrot zum Servieren

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Dip, dip, hurra!

Ich schreibe auch gelegentlich Rezepte, zum Rumreichen im Bekanntenkreis, nicht zur Veröffentlichung. Erst in dieser Woche war es eine Variante von Rösti, die etwa mit einem Dip aus Schmand oder Crème fraîche und einem kleinen Salat ruckzuck zum Hauptgericht werden kann...

Dieses Rezept, liebe Frau Raether, werde ich auf jeden Fall bookmarken und bei Gelegenheit "nachbasteln" - vielen Dank!