Bottle Beach: So komme ich da hin!

© Trevor Hyde / Mauritius Images
Der Bottle Beach auf der thailändischen Insel Koh Pha Ngan ist nicht leicht zu erreichen. Und das ist gut so. Von
ZEITmagazin Nr. 9/2019

1. FLUG: Einer? Wir wollen nicht meckern. Schließlich führt die Reise an einen der abgelegensten Strände Thailands. Doch bevor Sie dort Ihre Füße in den Sand stecken können, sitzen Sie – von Berlin aus – in mindestens drei Flugzeugen und diversen anderen Verkehrsmitteln. Nachdem rund zehn Flugstunden mit Napfmahlzeiten und mittelmäßigen Filmen Ihre Sinne lahmgelegt haben, gibt es beim Umsteigen am Flughafen von Bangkok ein einfaches Gegenmittel: die Fußmassage. In Thailand hat man ja oft den Eindruck, dass eine Hälfte der Bevölkerung die andere durchgehend bekocht oder massiert. Und deshalb fehlt es auch auf dem ultramodernen Suvarnabhumi-Airport nicht an Gelegenheiten für beides. Wenn die Zeit reicht: erst Massage, dann essen, dann weiterfliegen.

2. ZWISCHENSTOPP: Nach etwa einer Stunde Flugzeit sehen Sie mit etwas Glück einen zwölf Meter hohen goldenen Buddha in der Sonne glänzen, er steht auf der Insel Koh Samui im Golf von Thailand. Der Flughafen allein wäre schon die weite Reise wert: Der Zubringerbus zum Gate ähnelt einem offenen Straßenbahnwaggon und ist mit Palmen und Clownfischen bemalt. Das Gebäude mit den Giebeldächern aus Holz erinnert an ein Hotel, die Reisenden sitzen in gemütlichen Korbsesseln, überall blühen Blumen. Die feuchtwarme Meeresluft fühlt sich auf der Haut an wie eine Aloe-Vera-Lotion. Draußen wird es dann kurz etwas ungemütlich: Das Hupen und Rufen der Taxifahrer bei der Fahrgastakquise überhören Sie am besten. Die Fahrer haben den Ruf, den Fahrpreis nach Gutdünken zu berechnen. Koh Samui ist ein Massenziel, verständlich, dass jeder etwas vom Kuchen abhaben will. Also schnell weiter mit einem Songthaeo, einem umgebauten Pick-up mit einer Ladefläche, die Platz für 12 bis 16 Passagiere bietet. Das Gepäck kommt aufs Dach. Mit diesem preiswerten wie geselligen Transportmittel fahren Sie zum Pier der Hafenstadt Nathon. Dort legen an mehreren Punkten Boote zur Nachbarinsel Koh Pha Ngan ab. Sollte es mal windig werden, wie kürzlich beim Tropensturm Pabuk, können Sie ruhig hier bleiben – Nathon ist eine sichere Wahl.

3. FÄHRE: Das Expressboot braucht etwas mehr als 30 Minuten zum Hafen von Thong Sala auf Koh Pha Ngan. Während der Überfahrt können Sie sich mit den Plänen Ihrer Mitreisenden vertraut machen. Geht es auf den Vollmond zu, wollen viele zur "Full Moon Party" am Haad Rin Beach. Wenn Sie über 30 sind, schauen Sie sich das Spektakel vielleicht lieber auf YouTube an. Am Anleger herrscht viel Gewimmel. Beachten Sie besser nicht die bunten Hotel-Bildchen, die man Ihnen vors Gesicht hält. "Have have" , sagt man lächelnd in Thailand, wenn man "Nein, danke" meint. Besteigen Sie das nächste Songthaeo in Richtung Norden. Nach 45 Minuten zweigt eine Buckelpiste von der asphaltierten Straße ab und schlängelt sich in staubigen Serpentinen runter zum Resort.

4. HOTEL: Das Cookies Resort am Haad Salad Beach im Nordwesten von Koh Pha Ngan macht all die Tagträume wahr, mit denen Sie sich in den vergangenen 24 Stunden wach gehalten haben. Eine lange, sanft geschwungene Bucht mit weißem Sandstrand und Palmenreihen. Von der Hängematte auf dem Balkon oben am Hang genießen Sie den weiten Panoramablick. Das Bild verrutscht allerdings immer wieder, wenn Sie wegnicken. Der Jetlag ist noch nicht überstanden, wenn Sie wieder aufwachen. Aber das Meer ist noch da.

Besonders bei Flut ist die Bucht perfekt zum Schwimmen. Am Abend kommen Stand-up-Paddler zur Yoga-Stunde beim Sonnenuntergang. Doch Ihnen genügt vielleicht der Weg den Hügel hoch, zurück in die Hängematte. Ab jetzt ist Chillen angesagt. Heute Nacht werden Sie weder die Rufe der Geckos hören noch die der Affen aus dem Dschungel.

5. AUSFLUG INS RESTAURANT: Lust auf ein Abenteuer? Koh Pha Ngan ist nicht gerade reich an Sehenswürdigkeiten. Da wären der kleine buddhistische Tempel Wat Paa Sang Tham oder der Paradise Waterfall. Beide eignen sich eher für Tage, an denen alle Sandkörner am Strand bereits gezählt sind. Doch lässt sich die Insel mit einem Roller oder Moped gut erkunden. Da diese oft keine Versicherung haben und außerdem in Thailand Linksverkehr gilt, sollten Sie es besser vorsichtig angehen. Südlich vom Cookies Resort, auf der Anhöhe hinter Haad Yao, geht es zum Secret Beach. Das hier gelegene Restaurant Koh Raham sieht von Weitem aus wie ein Piratenversteck. Aber an der Wasserlinie geht es durchaus zivilisiert zu, besonders in der Küche. Der "Catch of the Day" schwimmt jetzt in Kokosmilch. Und vom Rand der Terrasse schaut man direkt hinab auf die bunte Unterwasserwelt.

6. AM ZIEL: Der Bottle Beach war lange Zeit nicht auf dem Landweg zu erreichen. Mittlerweile fahren Mutige mit dem Jeep über eine schlammige Dschungelpiste dorthin, die auch auf Google Maps angezeigt wird. Doch die ist selbst für Profis nicht zu empfehlen (Schlangen, wilde Hunde, Warane). Der klassische Weg führt über das Fischerdorf Chaloklum. Dort chartern Sie für wenig Geld ein Longtail-Boot. So heißt die beliebte Bootsform in Thailand, bei der eine lange Schraube auf einen knatternden Automotor montiert wird. Der Skipper sollte Sie in gut einer halben Stunde an den Bottle Beach bringen. Hier gibt es nur eine Handvoll Resorts. Ein paar Leute spielen Volleyball am Strand. Ansonsten scheint die Zeit stillzustehen. Sagen Sie dem Skipper, wann er Sie wieder abholen soll. Und falls Sie es sich anders überlegen, weil Sie genau das jetzt brauchen, einen Ort, an dem einfach gar nichts los ist: kein Problem. Eine Übernachtung in den einfachen Hütten kostet um die 20 Euro. Und morgen ist auch noch ein Tag.

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