Hotel Locarno: Die günstigsten Zimmer in den besten Hotels

© Emanuele Camerini
Von
ZEITmagazin Nr. 9/2019

Zwei Dinge braucht man in Rom: sehr bequeme Schuhe und eine Badewanne. Das ist kein Scherz, sondern eine Empfehlung. Klar, ein Vatikanbesuch muss sein, aber ein Vergnügen ist er nicht. Nach drei Stunden Marsch durch die Vatikanmuseen (exklusive Schlangestehen vor der Tür) schmerzen nicht nur die Füße. Man will nur noch weg von all den Menschen, die sich in langsam trottenden Gruppen durch Rom bewegen, angeführt von monoton plappernden Reiseleitern mit Regenschirm. Weil die meisten Hotels in Rom keinen Swimmingpool haben (und man auch dort wahrscheinlich nicht allein wäre), bleibt nur ein Fluchtort: die Badewanne.

Im günstigsten Zimmer des Hotel Locarno steht sie auf verzierten Pfoten in einem marmorverkleideten Badezimmer. Der silberne Duschkopf sieht aus wie ein Fernmeldeapparat, das Bidet hat einen eigenen Handtuchhalter, und neben der Toilette hängt ein Schnurtelefon. Während man ein Bad nimmt, lässt man sich von seinem Zimmermitbewohner grüne Oliven und ein kaltes Corona aus der Minibar servieren. Hinterher geht man im weißen Bademantel auf den Balkon und schaut auf das Treiben auf der Via della Penna. Gegen dieses Hotelzimmer, gegen das Hotel Locarno im Allgemeinen, hat der Vatikan leider keine Chance. Man fühlt sich hier nämlich nicht wie ein sündiger Untertan, sondern eher wie ein Filmstar der Zwanzigerjahre.

Das geht schon unten in der Eingangshalle los – ein roter Teppich liegt auf den Holzstufen, die zur Rezeption führen. Die quirlige Empfangschefin Angelica begrüßt mit warmem Händedruck und der Information, dass der Schauspieler Rupert Everett auch gerade unter den Gästen weile. Ach ja, und Wes Anderson käme nächsten Monat. Giangiacomo Feltrinelli habe hier einst Bücher vorgestellt, Bill Murray fühle sich schon so heimisch, dass er sich einmal hinter die Bar gestellt und den anderen Gästen Drinks serviert habe. "Und Isabella Rossellini ist unsere beste Freundin", raunt Angelica mit großen Augen. Auf die Prominenz (die sich allerdings nicht blicken lässt) kann man sehr schön auf der Terrasse des Innenhofes warten, der die zwei Gebäude des Hotels (eins von 1905, eins von 1925) verbindet. Der schmiedeeiserne Zaun zur Straße ist üppig mit Blauregen bewachsen, was dem Hof eine herrlich lauschige Atmosphäre verleiht. In der angrenzenden Bar setzt sich der Jugendstil des Hauses fort: Eine blau-grüne Glaslampe illuminiert den Tresen, zwischen geblümten Sesseln wiegen sich Palmenwedel im warmen Wind, der durch die Terrassentüren hereinweht. Je nach Wetterlage kann man hier oder im Hof auch einen Drink oder das Frühstück einnehmen: Croissants mit Marmeladenfüllung, kleine Pizzen mit Oliven, Erdbeeren. Noch einen Espresso? Oh ja. Den Vatikan hat man ja zum Glück schon hinter sich.

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