Amazonen-Look Kampfgarderobe

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 11/2019

In der kommenden Sommermode für Frauen sind deutliche Anspielungen auf Kämpferinnen nicht zu übersehen. Rick Owens etwa zeigte eine schwarze Lederrüstung in seiner Schau, und bei Fendi war ein Oberteil aus Leder zu sehen, das an einen Harnisch erinnert. In der Pre-Fall-Collektion von Moschino trug ein Model sogar einen Legionärshelm. Chloé wiederum hat ein knappes Kleid mit einem mit Schmucksteinen besetzten Geschirr im Programm, das den Look von Gladiatoren aufzunehmen scheint. Die Amazone ist also wieder da, und sie ist ja längst nicht nur in der Mode zu finden.

Im März kommt Captain Marvel in die Kinos, in dem Brie Larson als Superheldin das Universum retten muss. Als perfekte Verkörperung des weiblichen Helden könnte die Figur Daenerys Targaryen aus Game of Thrones gelten, gespielt von Emilia Clarke. Offenbar sind Frauen in der Gesellschaft so stark geworden, dass die Mode nicht mehr daran vorbeikommt. Nun haben weibliche Kämpfer eine lange Tradition. In der griechischen Mythologie dienten Amazonen dazu, die Tugenden der klassischen Helden zu stärken. Sie standen ihnen mit Rat und Unterstützung zur Seite. Vor allem aber wurden sie erobert und gezähmt, wie etwa die Amazonenkönigin Antiope, die von König Theseus entführt und dazu gezwungen wurde, seine Frau zu werden. Auch im Nibelungenlied gibt es starke Frauen, Brünhild zum Beispiel, um die Gunther werben möchte. Brünhild hat ungemeine Kräfte, und wer sie heiraten möchte, muss sie im Steinwurf, Weitsprung und Speerwurf besiegen. Das gelingt Gunther mit der Hilfe Siegfrieds. Brünhild muss sich geschlagen geben und verliert ihre Kräfte.

Ein Mann wirkt umso mächtiger, je stärker die Frau ist, die sich ihm hingibt. Und die kleidet sich so, dass es für den starken Mann gar keinen Zweifel geben kann: Er ist es, den sie herausfordert. Die Mode-Amazone wird bevorzugt in einem kurvenbetonten Outfit präsentiert, das so knapp ist, wie es nur eben sein kann. Das macht den Amazonen-Look zu einer eher tristen Sache: Letztlich ist die Kämpferin eine Männerfantasie, bei der sie erobert werden will. So verfällt auch die Drachenkönigin Daenerys Targaryen schließlich dem edlen Bastard Jon Schnee. Allerdings gab es in der Geschichte wirklich Kriegerinnen. Bei der Freilegung von Gräberfeldern des Nomadenvolkes der Skythen, die im 7. und 8. Jahrhundert die eurasischen Steppen besiedelten, fand man Überreste von Frauen, die an schweren Kampfverletzungen gestorben waren. Frauen, die ihre Gegner tatsächlich nur umbringen wollten. Vielleicht kommen sie ja mal zurück.

Foto: Peter Langer / Für die Kämpferin, die eigentlich erobert werden will: Kleid mit Geschirr von Chloé

Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren