Mirko Slomka Über die Zukunft eines Berufs

© Peter Steffen/dpa
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 11/2019

Früher sorgte man sich, was mal aus Fußballspielern werden wird, wenn sie nicht mehr Fußball spielen können. Von Fußballtrainern hingegen fragte man sich kaum, welchen Job sie mal machen, wenn sie nicht mehr trainieren können. Trainer waren Sportlehrer und konnten so lange arbeiten wie andere Lehrer. Das geschieht heute jedoch, da der dauernd modernisierte Bundesligafußball nach jungen Trainern verlangt, nicht mehr ganz so oft.

Erkennen lässt sich das an dem Fall Mirko Slomka. Der war gerade mal 49, als er vor zwei Jahren seinen bislang letzten Trainerjob verlor, und seither ist sein bei Instagram zu beobachtendes Leben eine Abfolge von Fernsehmoderationen, Skiausflügen und Promi-Umarmungen. In den Begleittexten zu seinen Fotos kommen vor: "tolle Menschen", "spannende Menschen", "großartige Menschen", ja sogar "fantastische Menschen". Selbst einer seiner Follower macht sich Sorgen: "Drifte bitte nicht zu sehr ab ins Showgeschäft. (...) Sonst endest du so wie Lothar und bekommst keine Chance mehr."

Die Sorge, ins Lotharmatthäushafte und Chancenlose abzudriften, erlebte Ende Februar einen Höhepunkt, durch ein weiteres Foto, das Slomka veröffentlichte. Es stammte offenbar von einer Feier, offenbar initiiert von einem Ex-Vorstandsvorsitzenden, einem noch amtierenden Vorstandsvorsitzenden und einem Werbeagentur-Gründer, offenbar unter dem Motto "Get your kicks on Route 66", ein Foto, das wir hier aus rechtlichen Gründen nicht zeigen dürfen. Vielleicht ist es auch besser, es nicht zu zeigen. Slomka steht da also mit: Carsten Maschmeyer (drängt sich ein wenig ins Bild), Klaus Meine von den Scorpions (formt seine Hand zu einem horizontalen Victoryzeichen, das aussieht wie die Schere von "Schere, Stein, Papier") und Gerhard Schröder mit Gattin (er legt seine Hand sehr nah an ihre Brust). Die Feierlaune der drei Männer hält man landauf, landab für eher schwer erträglich. Slomkas Bildzeile jedoch lautet: "Einfach grandios – Rock ’n’ Roll den ganzen Abend".

Armer Mirko Slomka! Wahrscheinlich ist das sein Job zurzeit: geduldig warten auf den einen Anruf, der einen zurückbringt in die erste oder zweite Liga, Abendtermine wahrnehmen, Fotos dabei machen, um im Gedächtnis zu bleiben. Und irgendwann, eigentlich viel zu früh, findet man sich wieder in der Gesellschaft von Männern, reich oder alt oder beides, die sich mit einem schmücken, weil man mal Bundesligatrainer war.

Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren