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Zensur in China Winnie Puuh, der gefährliche Bär

Chinas Jugend wächst mit einem abgeschirmten Internet auf, in dem ausländische Websites gesperrt und harmlose Begriffe wie "MeToo" oder die Namen von Comicfiguren zensiert werden. Ein seltener Blick hinter die Große Zensurmauer. Von
ZEITmagazin Nr. 11/2019

Es war bei einem Treffen mit zwei Studentinnen in einem Pekinger Café, als mir bewusst wurde, wie die Internetzensur das Denken junger Menschen verändert. Das Gespräch drehte sich um lohnende Reiseziele in China und die Frage, welcher Ort sich eher für einen zweiwöchigen Urlaub im Sommer eigne: die Tropeninsel Hainan mit ihren Sandstränden oder die Westprovinz Xinjiang, wo man lange Wanderungen entlang tiefblauer Bergseen unternehmen kann? Irgendwann warf ich ein, dass in Xinjiang Hunderttausende Uiguren in Umerziehungshaft sitzen, weil sie als Islamisten verdächtigt werden. Ob sie schon einmal davon gehört hätten? Ungläubig fragte eine der beiden zurück: "Woher weißt du solche Dinge, aus dem Außennetz?" Ihre Freundin wies sie zurecht: "Natürlich, das ist ein sensibles Thema. Darum erfahren wir solche Nachrichten nicht."