Harald Martenstein Über Verkehrspolitik

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Aus der Serie: Martenstein ZEITmagazin Nr. 13/2019

Wie könnte man einem Amerikaner oder Briten die deutsche Politik erklären? Ich nehme als Beispiel die Verkehrspolitik. In Deutschland heißt es, man soll möglichst viel Zug fahren, wegen der Umwelt. Die Politiker sagen es. Die Zeitungen schreiben es. Seid öko! Denkt an die Zukunft der Menschheit! Um diesem Ziel, einer nachhaltig zugfahrenden Nation, näher zu kommen, werden rätselhafterweise die Zugfahrten in atemberaubendem Tempo teurer. Gleichzeitig werden die Züge langsamer, falls sie überhaupt fahren. Unsere deutschen Züge vertragen Hitze schlecht, und sie vertragen Kälte schlecht, und die Zugtoiletten haben Probleme damit, benutzt zu werden.

In Deutschland ist im Februar die zweite größere Fluggesellschaft pleitegegangen, sie trug den Namen "Germania". Flüge werden wohl auch teurer werden, weil es kaum noch Konkurrenz gibt. Ein paar kleinere Flughäfen werden womöglich dichtgemacht. Auch viele Flugzeuge unserer kleinen Streitmacht fliegen nicht mehr, weil sie kaputt sind und anscheinend niemand sie reparieren kann. Wenn ein Regierungsmitglied einem anderen Staat einen Besuch abstattet, muss man sich Sorgen machen, ob diese Person jemals wieder nach Hause kommt. Ende Februar blieb der deutsche Außenminister mit seinem Regierungsflugzeug in Mali hängen, ein Hydraulikschaden. Der Minister für Entwicklungshilfe wollte im Januar eine Afrikareise machen, um den Afrikanern deutsche Technologie näherzubringen. Er strandete in Sambia, das Regierungsflugzeug war kaputt. Ein spanisches Linienflugzeug musste ihn retten. Die Afrikaner sind vor deutscher Technologie jedenfalls gewarnt.

Der Bundespräsident ist sogar schon zum zweiten Mal in Äthiopien gestrandet, beide Male fing sein Flugzeug an, verdächtig zu qualmen. Der Finanzminister und die Kanzlerin konnten nicht pünktlich zum Gipfel der 20 führenden Industrienationen erscheinen, Flugzeug kaputt.

Ich dachte, dass wenigstens unsere Segelschiffe noch fahren, die brauchen keinen Motor. Aber unser größtes Segelschiff, Stolz der Nation, ist so marode, dass es 100 Meter vom Hafen entfernt womöglich Bekanntschaft mit dem Meeresboden machen würde. Die Reparatur kostet angeblich Quadrillionen und dauert, bei unseren deutschen Bauzeiten, vermutlich bis 2040.

Na ja, wird sich jetzt mancher denken, ihr Deutschen habt immer noch Mercedes. Was soll das Gejammer? In einigen Städten wurde aber verboten, dass Diesel-Mercedesse fahren, damit die Luft sauberer wird. Der Mercedes-Diesel war quasi der Johann Sebastian Bach unter den deutschen Autos. Ein deutsches Mercedesverbot ist etwa so, als ob man in den USA den Verzehr von Mac and Cheese verbieten würde. Unsere gebrauchten Mercedesse werden jetzt massenhaft nach Kirgisien oder Abchasien transportiert, dort freuen sich alle.

Wir sollen jetzt Elektroautos fahren. Sie sind aber so teuer, dass kein normaler Mensch sie sich leisten kann. Vielleicht sind sie in 15 Jahren billiger, aber was tun bis dann? Und der Strom wird ja auch pausenlos teurer, weil wir aus Umweltgründen aus fast allem aussteigen, womit Strom sich produzieren lässt, und weil wir unseren berühmten Erfindergeist inzwischen auf die Erfindung neuer Steuern und Abgaben konzentrieren. Benzin soll auch wahnsinnig viel teuer werden, damit man Zug fährt, aber die Zugfahrten sind auch wahnsinnig teuer, und die Züge sind oft kaputt oder so überfüllt wie die Rettungsboote unserer Segelschiffe, falls versehentlich eines in See sticht. Man könnte das Flugzeug nehmen, aber – ach so, das hatten wir schon.

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Geschrieben aber steht im Buche, das davon handelt "Wie soll sich der Mensch im Leiden recht verhalten?" von Satans Versuchungen auf den weiten Feldern der Reisen und des überbordenden Austauschs von Menschen und Waren und vom darob folgenden "Commeatus vitiosus", der auch genannt wird "Teufelsverkehr".
"Es war ein Mann im Lande Uck, der hieß Harald. Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse. ... Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: "Meinst du, dass Harald Gott umsonst fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen! Der HERR sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht". So geschah es ... und Harald schrie zum Herrn: "Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt! ... In diesem allen sündigte Harald nicht und tat nichts Törichtes wider Gott".
Doch, halt ... er griff zur Feder, stellte sich auf seine Kolumne und schrieb nieder das Buch Harald, auf daß alle lesende Welt seine Kümmernisse über jene teuflischen Werke erfahre ... und so geschah es auch, zum Wohlgefallen Gottes und des Teufels.