© Stefanie Moshammer

Stefanie Moshammer In der Komfortzone

Stefanie Moshammer fotografiert auf der ganzen Welt. Aber am liebsten fotografiert sie in Oberösterreich, im Haus ihrer Großeltern. Die Bilder zeigen eine Welt, die stillsteht – und in der die Enkelin trotzdem immer wieder Neues entdeckt. Von
ZEITmagazin Nr. 13/2019

Das Mühlviertel ist eine Landschaft in Oberösterreich in der Nähe der Grenze zu Tschechien. Für die Künstlerin Stefanie Moshammer, heutzutage gefeiert als "eine der besten europäischen Nachwuchsfotografinnen" (ARD), ist dieser Ort ihre fotografische Heimat. Denn hier leben Christl und Josef Chalupar, 83 beziehungsweise 85 Jahre alt, die Großeltern der 30-jährigen Fotografin. Stefanie Moshammer ist in Wien aufgewachsen, aber seit ihrer Kindheit mindestens dreimal im Jahr bei ihren Großeltern zu Besuch – natürlich kommt sie an Weihnachten, aber auch im Sommer.

Hier oben habe es keine Erwartungen an sie gegeben, sagt Moshammer, die im vergangenen Jahr mit dem ersten C/O-Berlin-Talent-Award ausgezeichnet wurde. Sie lief mit ihrer Kamera durch das Haus und durch den Garten und probierte sich aus. "Das waren meine ersten Schritte in die Fotografie." Die Bilder, die wir in diesem ZEITmagazin drucken, sind in den vergangenen fünf Jahren entstanden. Sie zeigen vor allem die Großmutter Christine Chalupar, die von ihrer Familie Christl genannt wird. "Meine Großmutter versteht meinen Beruf etwas besser als mein Großvater", sagt Moshammer. Dass ihre Enkelin finanziell unabhängig ist und das tut, was sie gern macht, sei für Oma Christl das Wichtigste. I

hre Großeltern können über ihre Bilder lachen, erzählt Stefanie Moshammer. Natürlich bekommen sie immer alle Fotos zu sehen. Oft geht Stefanie Moshammer für ihre Arbeit auf Reisen, im ZEITmagazin sind in den vergangenen Jahren Bilder aus Haiti, Rio de Janeiro und Las Vegas erschienen, vergangene Woche ist sie aus Shanghai zurückgekehrt, dort wurde eine Ausstellung von ihr eröffnet. "Normalerweise muss ich mich vor Ort erst einmal einarbeiten, Vertrauen schaffen, mich langsam annähern", sagt sie. "Das Haus meiner Großeltern ist aber meine Komfortzone, da kann ich gleich loslegen." Trotzdem habe sich ihr Blick auf das Mühlviertel und das vertraute Haus verändert, "obwohl sich der Ort natürlich überhaupt nicht verändert hat". Wie meint sie das genau? "Mir fallen heute Details auf, die ich früher einfach nicht beachtet habe, zum Beispiel dass bei der Jesus-Figur, die seit Jahren in der Ecke eines Zimmers steht, die Hand abgefallen ist."

Stefanie Moshammer ist auch in diesem Jahr viel auf Reisen, im März eröffnet sie eine Ausstellung im britischen Derby, im Mai in Krakau. Das Reisen, sagt Oma Christl, habe die Enkelin von ihrem Großvater geerbt: Die Familie hatte ein Reiseunternehmen, Opa Josef arbeitete als Busfahrer und war immer unterwegs.

Eine Sache hat sich im Haus der Großeltern in den letzten fünf Jahren übrigens doch verändert: Der Diwan, auf dem Josef Chalupar 55 Jahre lang gesessen hat und der schon seine Körperform angenommen hatte, wurde letztes Jahr gegen einen neuen ausgetauscht.

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