Billie Eilish "Je mehr Albträume ich habe, desto kreativer bin ich"

© Peter Hönnemann
ZEITmagazin Nr. 14/2019

Dinge, die im Schlaf passieren, waren schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Meistens sind es bei mir allerdings intensive und realistische Albträume, was für mich oft anstrengend ist. Manche meiner harmloseren Träume sind am Tag danach Realität geworden – was ja wiederum auch gruselig ist. Neulich habe ich zum Beispiel geträumt, dass ich ein Konzert gebe, alles läuft super, aber auf einmal fällt der Strom aus. Alles tot, nichts geht mehr, ich muss die Bühne verlassen. Am Tag darauf hatte ich vor meinem Konzert einen Soundcheck, und plötzlich ging der Strom aus, genau wie in meinem Traum. Das war unheimlich.

Als ich sechs war, träumte ich, dass mich ein Zombie küsst und mir dabei die Lippen abbeißt. Danach konnte ich wochenlang den Anblick knutschender Menschen nicht mehr ertragen, mir wurde dabei regelrecht übel.

Ich kann nur gut schlafen, wenn beim Einschlafen meine Meditations-App läuft. Ohne sie bekomme ich zuverlässig Albträume. Manchmal lasse ich die App aber auch bewusst weg, denn das Gute an meinen Albträumen ist, dass sie meine Songs und Videos inspirieren. Je mehr Albträume ich habe, desto kreativer bin ich. Das ist meine Definition von Kunst. Also muss ich da durch. Nach besonders harten Albträumen leide ich allerdings auch nach dem Aufwachen noch den ganzen Tag, alles fühlt sich dann für mich falsch an. Trotzdem liebe ich Horror eben auch und schaue mir mit Begeisterung eine Fernsehserie wie The Walking Dead an. Es gibt natürlich Grenzen, aber ein kurzer, harter Schreck fühlt sich für mich großartig an.

Ich wollte mich nie anpassen, wollte nicht zur Schule gehen oder in einer Shopping-Mall herumhängen. Eine Weile, als ich elf oder zwölf war, habe ich dennoch versucht, all die normalen Dinge zu tun, die Mädchen in dem Alter so tun. Es hat nicht funktioniert, es waren die schlimmsten Jahre meines Lebens. Ich hatte gedacht, dass ich vielleicht doch so sein muss wie alle anderen, und irgendwann wurde mir klar, dass ich das eben nicht muss.

Eigentlich hatte ich davon geträumt, eine große Tänzerin zu werden. Ich war auch ziemlich gut, aber dann verletzte ich mich so schwer, dass ich diesen Traum begraben musste. Das war eine brutale Erfahrung. Ich wusste nicht, wie es mit meinem Leben weitergehen sollte. Das Musikmachen hat mich dann gerettet.

Immer wieder musste ich auf Dinge verzichten, die ich wirklich liebe. Ich musste mit dem Turnen aufhören, weil ich irgendwann zu groß für mein Alter wurde. Früher bin ich auch gern geritten, Pferde bedeuten mir alles, sie beruhigen mich, sie sind meine Medizin. Aber auch das Reiten musste ich aufgeben, weil wir nicht genug Geld für dieses Hobby hatten.

Doch nun bringt mir die Musik alles zurück: Ich tanze in meinen Videos und turne in ihnen herum. Irgendwann wird in einem Video hoffentlich auch ein Pferd auftauchen. Das wäre ein Traum, der gern mal wahr werden darf.

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