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Audiogeräte Laute schöne Dinge

Geräte, die sehr guten Sound machen, sollten auch sehr gut aussehen. Unser Creative Director und Tech-Kolumnist Mirko Borsche hat acht verschiedene Produkte einem sehr subjektiven Test unterzogen. Von
ZEITmagazin Nr. 15/2019

Gut aufgelegt

Wer gerne mal wie ich bei einer Party den DJ spielt, der brauchte früher zwei Plattenteller, Kopfhörer, sehr viele Platten und viele gute Moves, um all das mit bedeutungsvollen Bewegungen zu bedienen. Seit eine ganze Plattensammlung auf einen USB-Stick passt und die Tracks auf dem Laptop gemischt werden, leidet diese Inszenierung etwas. Da hilft dieses tragbare Mischpult. Man schließt es an den Rechner an und kann dann auf den Plattentellern scratchen, fast so wie früher. Der einzige Nachteil: Die Verarbeitung ist nicht sehr hochwertig. Aber so ist das eben beim DJ-Handwerk: Hauptsache, es sieht gut aus.
Native Instruments Traktor Kontrol S2 MK3, mobiles 2-Kanal-DJ-System mit 5,5-Zoll-Präzisions-Jogwheels und 16 RGB-Pads, 259 Euro

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Rettungsschirm

Ich dachte, man würde heute überhaupt nicht mehr fernsehen, sondern eher eine Serie streamen, die man auf dem Laptop anguckt oder sogar auf dem Smartphone. Fernsehen, dachte ich, würde immer kleiner. Mein Fernseher steht zu Hause in der Ecke, er sieht verloren aus. Ich möchte ihn verschenken, aber niemand will ihn haben. Dann machte ich Bekanntschaft mit diesem Set von Samsung: ein Fernseher mit 65-Zoll-Bildschirm und ein vierteiliges Soundsystem mit 17 integrierten Lautsprechern. Seitdem weiß ich: Das Fernsehen gibt es noch, es ist nur jetzt wie ein Kinobesuch. Wenn ich mitten in dieser, man muss wohl sagen: Installation sitze, stelle ich mir vor, jemand ganz anderes zu sein, jemand, der sein Wohnzimmer um einen großen Fernseher herum einrichtet, vor dem er jeden Abend sitzt und die ganze Welt durch dieses Fenster betrachtet, mit einer Hand in der Paprikachips-Tüte. Und dann bekomme ich Hunger.
7.1.4-Kanal-Soundbar HW-N950 von Samsung harman/kardon, 1399 Euro; 65-Zoll-QLED-TV 8K Q900 von Samsung, 4999 Euro

Ghettoblaster

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Es passiert nicht so oft, dass man etwas vollkommen Neues in die Finger bekommt. Aber etwas wie die SoundWear Companion Speaker von Bose habe ich wirklich noch nicht benutzt. Dieses Gerät sieht aus wie die Mischung aus einem Klingonen-Raumschiff aus der Star Trek- Saga und einem Nackenhörnchen. Es ist eine Art Klangkragen, den man sich um den Nacken legt. Dann ist man umgeben von einem brillanten Sound, der einen wie eine Sphäre umgibt und viel angenehmer ist als aus dem Kopfhörer. Man kann sich damit bequem durch die Wohnung bewegen und muss die Stereoanlage nicht so arg aufdrehen. Geht man damit allerdings vor die Tür, wird man zu einem Ghettoblaster mit Beinen.
Bose SoundWear Companion Speaker, Bluetooth-Lautsprecher mit 12 Stunden Akkulaufzeit, 299 Euro

Schwergewicht

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Ich mag das Wort "Endverstärker", es erinnert mich ein bisschen an den "Endgegner" bei Videospielen: das große Monster, das ganz am Schluss auftaucht und kaum zu besiegen ist. Nach dem Endgegner kommt nichts mehr. Dieser Endverstärker von Nubert kommt dieser Vorstellung am nächsten. Er ist einfach riesengroß: Das Gehäuse ist 22 Zentimeter hoch und 43 Zentimeter breit. Was sicherstellt, dass dieses Trumm optisch ein hohes Gewicht im Raum hat. Physisch übrigens auch, denn das Gerät ist mehr als 40 Kilo schwer. Der Sound ist so stark, wie man es bei diesen Dimensionen erwartet. Der einzige Nachteil: Jedes Hi-Fi-Teil, das man mit diesem Verstärker kombiniert, sieht im Verhältnis dazu niedlich aus.
Nubert-Endverstärker nuPower A, Dauerausgangsleistung 2x 540 Watt, 3750 Euro

Lichtmaschine

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Diese Soundbox ist im Grunde eine komplette Disco: Sie hat nicht nur einen sehr guten Klang, sondern macht auch Licht. Je nach Stimmung lassen sich drei verschiedene Lightshows wählen. Um die Lautsprecher herum laufen LED-Lichter im Takt, die Box kann aber auch Stroboskopblitze erzeugen. Erst dachte ich: Was für ein Trash! Mittlerweile liebe ich aber diese mehrfarbigen Lichteffekte. Sie haben etwas Hypnotisierendes, wie die Augen der Schlange Kaa im Dschungelbuch. Mehr kann ein Gerät kaum leisten.
JBL Party Box 300, mit Karaokefunktion und Akku, 435 Euro

Antreiber

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Ich lerne ja immer wieder gern etwas über Sound. So hat mir der freundliche Tontechniker, der das Plattenspieler-Direktantriebs-Laufwerk SP-10R von Technics bei mir aufbaute, gesagt, dass einem bei Vinylplatten der teuerste Verstärker und die besten Boxen nicht helfen würden, wenn der Plattenteller nicht rund und gleichmäßig laufe. Für Menschen, denen das wichtig ist, gibt es nun ein Laufwerk, das über jeden Zweifel erhaben ist. Dafür müssen sie allerdings auch den Gegenwert eines Neuwagens investieren. Ich kann das Teil vor allem optisch bewerten: Es gibt keinen großspurigen Schnickschnack, sondern nur einen Stahlquader, in dem sich ein Messingteller dreht. Dazu kann man dann mit flüsternder Stimme erläutern, dass dieser Teller dank eingelassener Wolframgewichte fast acht Kilogramm wiegt und durch einen bürstenlosen Gleichstrom-Motor angetrieben wird. Diese Details hören sich so gut an, dass der Sound dann schon fast egal ist.
Technics-Laufwerk mit Direktantrieb SP-10R, mit separater Steuerungseinheit, 15.999 Euro

Firmensprecher

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Eine Telefonkonferenz, Conference-Call genannt, ist ja eigentlich eine absurde Sache: Alle kauern um eine flache Scheibe herum und sprechen ins Leere. Nur der, mit dem man spricht, ist nicht da. Die fehlende Person, oftmals der Chef, wird repräsentiert durch einen seltsamen Puck in der Mitte. Man sollte sich also vor allem als Vorgesetzter gut überlegen, aus welcher Art Gerät die eigene Stimme zum Conference-Call-Volk schallen soll. Dieses Gerät von Sennheiser ist keine schlechte Wahl, denn das durchbrochene Aluminiumblech erinnert an den Look der Scherköpfe von Braun-Elektrorasierern aus den Achtzigerjahren. Irgendwie selbstbewusst und auch zuversichtlich, genau richtig.
Sennheiser Speakerphone SP 30, für Konferenzen mit bis zu 8 Teilnehmern, 182 Euro

Teufelskerl

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Das ist das Aggressivste, was ich an Sound so erlebt habe. Mit einem Schalldruck von 112 Dezibel auf einen Meter Distanz kann man mit dieser Box ohne Probleme jede Party beschallen. Die Bässe sind so hart, dass sie einem das Rückenmark massieren. Da das Gerät mehrere Ausgänge hat, schallt es dazu noch in alle Richtungen. Allerdings ist es mit einer Höhe von 46 Zentimetern schwer zu übersehen: Irgendwie ist dieses Ding also auch sehr laut, wenn es gerade still ist.
Teufel Rockster Air, Bluetooth-Lautsprecher mit integriertem 4-Kanal-Mixer, Klangregler und Fernbedienung, 589 Euro

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Nette Teile, vom Preis mal abgesehen ;-) Jedoch bei den HiFi Komponennten, befürchte ich, dass die Nachbarn mich hassen würden. We will rock you!!!! Ob der Fernseher oder besser das fast-Kino mit gemeinsamen Gucken von... äaah.... Heinz Rühmann-Filmen die Nachbarn milder stimmen würde, müsste man probieren, jedoch mein Portemonnaie sagt vernehmlich: Nein!

Nette Teile? Für mich eher überflüssiges Zeugs. Dann doch lieber eine schöne Musiktruhe von Grundig oder Saba mit dem bewährten DUAL-Plattenspieler und schönen großen Stereolautsprechern. Da legt man dann Fred Bertelmanns "Lachenden Vagabunden" auf und stellt auf laut. Jetzt noch die Fenster öffnen und die Nachbarn, die im Garten arbeiten, haben auch noch ihren Spaß...

Was auch immer man mit 2x540W Dauerausgangsleistung anfangen will. Mein 15W Gitarrenverstärker mit nem 1x12'' Cabinet dran bläst aus meiner Wohnung schon auf niedrigen Lautstärkeleveln die Fensterscheiben raus. Klar braucht man für die Übertragung satter Bässe etwas mehr Ausgangsleistung, aber 1000W ist schon eher die Größenordnung zur Beschallung kleinerer Konzerte in Clubräumen.

Schade, dass exzellenter Sound mit gutem Design hier nur im sehr hochpreisigen Sektor vorgestellt wird. Es vermittelt dem nicht ganz so informierten Interessenten, dass günstigeres dann doch nur der hässliche Hi-Fi-Schrott aus Saturn und Mediamarkt ist. Wer wirklich einen guten Überblick mit super Rezensionen haben will, sollte sich das ein oder andere mal ein HiFi-Magazin kaufen.