Harald Martenstein Über große Dramen, kleine Ärgernisse – und Strategien für die "Shithour des Lebens"

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Aus der Serie: Martenstein ZEITmagazin Nr. 15/2019
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Immer wenn ich meinen Hund erwähne, kriege ich Hundehassmails. Es ist mir ein Rätsel, wieso Leute Texte über Themen oder Texte von Autoren lesen, die sie verabscheuen. Ich habe immer den Verdacht, dass diese Personen sich auch im Heizungskeller ihres Eigenheims auspeitschen lassen, die scheinen ja gerne zu leiden. Mein alter Hund hat jedenfalls einen Schlaganfall gehabt oder etwas in dieser Art, die Erklärungen des Tierarztes habe ich nicht ganz verstanden. Er hält den Kopf schief, sabbert und fällt dauernd um. Außerdem kann er das Bein nicht mehr heben, was für einen Rüden wahrscheinlich die schlimmste Demütigung ist. Der Tierarzt gibt ihm Cortisonspritzen und hat fünf verschiedene Medikamente verordnet, darunter Antibiotika und Vitamine. Ich trage den Hund alle paar Stunden die Treppen herunter, damit er sein Geschäft verrichten kann, aber das ist eigentlich nutzlos, denn er ist inkontinent. Natürlich würde ich seinem Leiden ein Ende machen, wenn es aussichtslos wäre. Aber der Arzt meint, dass der Hund ganz gute Chancen hat. "Der ist zäh", sagt der Arzt.