Karl-Heinz Rummenigge: Die Kraft der Sprachbilder des Karl-Heinz Rummenigge

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 17/2019

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München und verkannter Poet, umschrieb nach dem Kantersieg neulich im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund die aktuelle Situation seines Vereins wie folgt: "Ich sag immer: Jetzt muss der Bauer die Kartoffeln einfahren, und jetzt ist die Kartoffel heiß. Und die müssen wir dann eben hoffentlich am letzten Spieltag in Form der Schale gemeinsam essen."

Ein Sprachbild voller archaischer Kraft. Und als gebürtiger Westfale weiß Rummenigge, dass die Kartoffel als Metapher natürlich noch lange nicht ausgekocht ist. Wir wagen eine Prognose für die kommenden Monate:

Ende Mai. Die Bayern verspielen am letzten Spieltag die Meisterschaft. Rummenigge ist frustriert: "Ich sag nur: Jetzt haben die Dortmunder die Schale und wir den Salat."

Juli. In einem Interview spricht Rummenigge über die Saisonvorbereitung: "Jetzt müssen die Kartoffeln gesät werden, damit wir am Saisonende ernten können." Und er verteidigt die teure Verpflichtung internationaler Topspieler: "Ich sag immer: Kartoffeln schießen keine Tore, sondern nur ins Kraut!"

August. Beim Abschiedsspiel von Franck Ribéry hält Rummenigge mit feuchten Augen die Lobrede vor der Südkurve: "Keiner schnibbelt so wie du, Franck. Ich sag immer: Du bist keine Pommes, du bist feinstes Gratin."

Oktober. Die Bayern scheiden wegen eines umstrittenen Elfers im DFB-Pokal gegen Paderborn aus. Rummenigge geht nach Abpfiff auf den Schiri los: "Der hat sich doch fallen lassen wie eine heiße Kartoffel, du Nachtschattengewächs!".

Dezember. Mit einem barschen "Frühkartoffeln interessieren mich nicht" wehrt Rummenigge im Aktuellen Sportstudio Fragen nach der verlorenen Herbstmeisterschaft ab, kritisiert jedoch das Rotationsprinzip des Trainers: "Ich sag immer: Wenn man Bratkartoffeln zu oft wendet, muss man sich nicht wundern, wenn sie am Ende zerfallen."

Februar. Einige Stammspieler sind verletzt. "Den Spielern wird durch die vielen Spiele die Stärke entzogen", analysiert Rummenigge in einer Brandrede vor dem Fifa-Weltkongress, "wenn zu viele Hände in die Chipstüte greifen, bleiben am Ende nur noch Krümel übrig." Seine Forderung: "Wir müssen dringend mehr Puffer in den Spielplan einbauen!"

April. Nach dem Sieg im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Liverpool ist Rummenigge zufrieden: "Sie wollten uns mit ihrem Pressing zu Brei machen, aber wir haben sie frittiert."

Mai. Rummenigge war rätselhafterweise für Wochen abgetaucht. Pünktlich zum Saisonfinale ist er wieder da: "Ich sag immer: Man muss den Anker werfen, bevor die Wellen hochschlagen. Jetzt müssen wir die Netze auswerfen und die Meisterschaft nach Hause schaukeln!"

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