Brezeln: Brezelbezeichnungen

Von Matthias Stolz
Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 18/2019

Benennungen des Gebäcks, das im Hochdeutschen Brezel heißt

Quelle: Atlas zur deutschen Alltagssprache (Elspaß/Möller) © Laura Edelbacher

Als vor vier Jahren bei Ausgrabungen in Regensburg die älteste Brezel der Welt gefunden wurde, damals rund 250 Jahre alt und leider bereits verkohlt, schrieb die FAZ von einer "Brezel" und zitierte eine Denkmalpflegerin, die von einer "Breze" sprach. Der aufmerksame FAZ- Leser dürfte also gemerkt haben, dass Uneinigkeit herrscht, wie das Gebäck zu nennen ist. Unsere Karte zeigt, dass die Sache noch komplizierter ist: In Regensburg sagen die Leute eher Brezn als Breze und in der Gegend um Frankfurt auch schon mal Bretzel statt Brezel, also mit kurzem E gesprochen statt mit langem. Diese Form herrscht im Südwesten vor. Allen Brezelbezeichnungen gemein ist, dass sie aus dem Lateinischen kommen (das Gebäck ist wie gesagt alt), von bracchia, was Arme bedeutet, denn die beiden Enden des Teigs werden wie Arme übereinandergeschlagen. Das Suffix -el dient der Verkleinerung, sind die Arme doch eher Ärmchen. In weiten Teilen Bayerns wurde am Ende ein -n angehängt, ähnlich wie bei der "Wiesn". Das Wort Wiesnbrezn ist, wohl wegen der schönen Dopplung, bei Zeitungen beliebt, nicht nur bei bayerischen. Auch die FAZ benutzte das Wort vor zwei Jahren in einem kurzen Artikel dreimal.

Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren