Tiger Woods: Über Treue

© David Cannon/Getty Images
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 18/2019

Eigentlich waren wir uns sicher, dass der Name Tiger Woods auf diesen paar Quadratdezimetern ZEITmagazin nicht mehr auftauchen würde und wenn, dann leider im Zusammenhang mit Wörtern wie "Frührente" oder "Minigolf", denn der ehemalige Superstar-Golfer musste in den vergangenen Jahren mehrere Rückenoperationen und Sexskandale über sich ergehen lassen.

Aber so ist es erstaunlicherweise nicht gekommen. Jetzt hat Tiger Woods im Alter von 43 Jahren wieder das Masters gewonnen, das ist eines der vier großen amerikanischen Golfturniere – elf Jahre nach seinem letzten großen Sieg. Eine wunderbare Geschichte, die wie alle Heldengeschichten von Geduld handelt und davon, den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren. Aber es gibt noch eine Geschichte. Sie handelt von Tiger Woods’ Caddie, Joe LaCava. Caddies sind eine Mischung aus Taschenträgern und Psychologen, auf dem Platz haben sie Schläger und weise Worte parat.

Joe LaCava fing 2011 an, für Tiger Woods zu arbeiten, in einer Zeit, als dessen große Karriere nach Sexskandalen und Scheidung vorbei war. Woods und LaCava waren ein Paar in schlechten und in sehr schlechten Zeiten, in all den Jahren nach 2013, in denen Woods kein einziges Turnier gewann und mehrmals am Rücken operiert wurde, sodass irgendwann ein zehnter Platz von Woods als Sensation galt.

Er sei jetzt eben viel zu Hause, erzählte der Caddie damals einem Fachmagazin, spiele Golf mit seinen Kindern, repariere den Abfluss. 2017, als Tiger Woods in Florida wegen Drogen am Steuer festgenommen wurde, dann der Tiefpunkt: Damals bekam LaCava das Angebot, für einen anderen Golfer zu arbeiten. Woods hätte ihn auch gehen lassen, aber, so erzählte er selbst es in einem Podcast, sein Caddie habe ihm erklärt: "Ich fühle mich deiner Rückkehr zum Golf verpflichtet." Und er blieb.

Seit 2018 ging es bei Woods wieder bergauf, er fing an, ernsthafte Preisgelder zu sammeln. Er gewann ein mittelgroßes Turnier. Und nun das Masters, sein Comeback. "Ich habe jetzt nicht direkt davon geträumt, aber ich habe es mir vorgestellt", sagte der Caddie über den Sieg.

Es ist fast so etwas wie eine Liebesgeschichte, und sie handelt wie alle Liebesgeschichten davon, dass jemand anderes geduldig an einen glaubt oder vielleicht noch nicht mal an einen glaubt, aber trotzdem nicht abhaut. Brauchen wir nicht alle einen LaCava im Leben?

Für die, die keinen haben, hier zum Ausschneiden der wunderbare Rat, den LaCava, wie er sagte, seinem Meister gab, als dieser anfing, nervös zu werden: "Verlier nicht deine Spannung, aber bleib trotzdem locker, wenn du da draußen bist. Und trag nicht das ganze Gewicht der Welt auf deinen Schultern."

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