© Bastian Thiery

Sonnenallee in Berlin Straße der Glücksritter

Vor wenigen Jahren stand hier noch jeder zweite Laden leer, nun sind die Mieten fast so hoch wie auf dem Ku’damm: Die Sonnenallee in Berlin-Neukölln ist berühmt und verrufen als Lieblingsort der Hipster und der arabischen Clans. Was zieht Menschen von überall hierher? Von
ZEITmagazin Nr. 19/2019

Vielleicht muss ein Porträt über die Sonnenallee dort beginnen, wo alle zusammenkommen. Wo die Holzkohle im Schaufenster glüht und die Hähnchen sich darüber drehen, nach islamischen Vorschriften geschlachtet, 3,50 Euro das halbe, 4,99 mit Pommes und Knoblauchsoße. Alles halal. Ein früher Donnerstagabend, Sonnenallee 26. Die Schlange vor dem Bestellcounter bei Risa Chicken windet sich um die Kunststofftische. An einem sitzt eine junge Mutter mit Kopftuch, neben sich Einkaufstaschen, sie teilt sich mit ihrem kleinen Sohn im Buggy eine Tüte Pommes. Ihr Tag geht zu Ende. Daneben drei Mittzwanziger, Spanier, der Mann mit Wollmütze, die Frauen mit langen Mänteln und Trekking-Boots, leuchtende Handy-Displays vor sich. Ihre Nacht beginnt.