Vengaboys: Über Comebacks

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 24/2019

Ja, Staatskrise in Österreich, Misstrauensvotum, Kanzlersturz, alles schlimm – aber das wirklich Erschütternde an der Ibiza-Affäre und die am Ende vielleicht schlimmste Hinterlassenschaft von FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache ist doch ganz eindeutig: Die Vengaboys sind wieder da!

Für die Jüngeren: Die Vengaboys waren eine von zahlreichen Eurodance-Bands, die in den Neunzigern überaus erfolgreich mit stampfenden Beats unsere Ohren und mit fragwürdigen Kostümen unsere Augen strapazierten. Für die Älteren müssen wir hier lediglich "Boom! Boom! Boom! Boom!" hinschreiben, um ihnen einen furchtbaren Ohrwurm zu verpassen.

Die Vengaboys sind jedenfalls durch die Affäre mit ihrem 20 Jahre alten Hit We’re Going to Ibiza wieder gefragt und traten in Wien vor 6000 Menschen auf. Ein Comeback, das so unerwartet über uns hereingebrochen ist, dass diese im Herzen ja der gründlichen Recherche zugetane Kolumne getreu dem investigativen Grundsatz "Follow the money!" vermutet: Nicht Böhmermann oder der Mossad haben Strache in die Falle gelockt – es waren die Vengaboys, die endlich wieder erfolgreich sein wollten. Ein raffinierter Plan mit hohem Risiko: Schließlich hätten am Ende genauso gut die Erben von Schlagersänger Ibo ("Er hat dich, ich hab Ibiza!") oder Ballermann-Star Mickie Krause ("Ich glaub, hier ist doch wieder Alkohol im Spiel") von Straches peinlichem Video profitieren können.

Da der Plan aufgegangen ist, befürchten wir, dass nun auch andere Interpreten auf die Idee kommen werden, ihre längst zu Recht vergessenen Hits mit Intrigen zu pushen. Zum Beispiel Schlagersängerin Dorthe ("Wärst du doch in Düsseldorf geblieben, schöner Playboy!"), die vielleicht längst daran arbeitet, Armin Laschet jenseits der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt in eine Falle zu locken.

Wir ahnen das Schlimmste. Und um unsere Ohren davor zu bewahren, flehen wir alle Politiker an: Gehen Sie niemals auf zweifelhafte Angebote einer schönen Russin im sevillanischen Stadtviertel Macarena ein! Meiden Sie unbedingt krumme Immobiliendeals in Westerland! Und werden Sie extrem misstrauisch, falls jemand Ihnen ein Korruptionsangebot in sichtbarer Nähe eines Zitronenbaums macht! Sonst sitzen Sie schon bald im "Zug nach Nirgendwo", während wir vom Ohrwurm Lemon Tree gefoltert werden. Tun Sie es nicht nur aus Liebe zu sich selbst, sondern vor allem aus Liebe zu allen Bürgerinnen und Bürgern. Das, liebe Politiker, wäre wahrer Patriotismus!

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