Sommermode: Just don't do it!

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 26/2019

Männermode gründet sich zum großen Teil auf den Mythos des handelnden Mannes. Der heute noch übliche Schaftstiefel beispielsweise ist ein Nachfahre des Offiziersstiefels. Denn in Zeiten, als es für Männer eine Frage der Ehre war, in den Krieg zu ziehen, war es auch in Friedenszeiten vorteilhaft, so auszusehen, als komme man geradewegs aus der Schlacht. So spiegelt die Mode immer auch die Werte ihrer Zeit.

Der klassische Anzug, der das gesellschaftliche Erscheinungsbild des Mannes lange Zeit geprägt hat, ist dem Outfit des protestantischen Kaufmanns nachempfunden. Weil der sich im 19. Jahrhundert vom protzenden Adel mit seiner Sucht nach aufwendiger Verzierung absetzen wollte, kleidete er sich in schlichte schwarze Anzüge. Hier kümmert sich einer um das Geschäft und nicht um den Prunk, so die Botschaft. Im späteren 20. Jahrhundert war dann der Sport sehr prägend, und gemäß dem Nike-Motto "Just do it" wurde die Aschenbahn in den Alltag verlegt. Die neuen Ideale hießen Kraft, körperliche Agilität und Wettbewerbsgeist.

Und selbst die Anti-Mode des Silicon Valley – T-Shirt und Hoodie anstelle von Schlips und Kragen – ist letztlich eine Feier des schaffenden Mannes. Denn all die CEOs, die im T-Shirt vor ihre Aktionäre treten, signalisieren: Schaut mal her, Leute, wir sind die ganze Zeit damit beschäftigt, die wildesten Innovationen für euch zu entwickeln, wir haben einfach keine Zeit für Etikette.

Der Mann wurde in der Mode stets über Aktion definiert, während die Kleidung der Frau lange Zeit gesellschaftliche Passivität ausdrückte. Gegenwärtig sind die klassischen männlichen Werte in der Krise. Das Bild des Machers, der andere durch seine Tatkraft inspiriert, finden die meisten nicht mehr glaubhaft. Und so ändert sich auch die Mode: Statt des "Machens" feiert sie nun das "Nichtmachen". In den Sommer-Kollektionen wimmelt es von Looks, in denen Männer – und Frauen – den Eindruck erwecken, als kämen sie gerade vom Strand oder aus dem Bett.

Auf den Laufstegen sehen wir bloße Füße in Sandalen oder straßentauglich geschnittene Pyjama-Hosen. Und Marie-Louise Sciò, Geschäftsführerin und Kreativdirektorin des legendären Hotels Il Pellicano in der Toskana, hat für Birkenstock eine Capsule-Collection mit Unisex-Sandalen entworfen, deren Fußbett mit einem Motto bedruckt ist: Il dolce far niente. Das bedeutet so viel wie "Das süße Nichtstun" und gilt für jedes Geschlecht.

Bevor man das Falsche macht, macht man besser gar nichts. Und das ist ja auch ganz angenehm.

Foto: Peter Langer / Für Nichtstuer: Birkenstock-Sandalen aus der Il-Pellicano-Kollektion

Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Hm. Er hatte noch Schuhe an, immerhin ist Birkenstock, also Schuhe, das Thema ;)

Ein paar Beispiele zum Text wären nicht schlecht.

Die andere Stimme der Vernunft

#3  —  vor 7 Monaten

"Und so ändert sich auch die Mode: Statt des "Machens" feiert sie nun das "Nichtmachen". "

Traurig, wenn Nachlässigkeit, Faulheit, Sich-gehen-lassen als modische Imperative verstanden und glorifiziert werden.

Ich bleibe dabei: Kurze Hosen und Sandalen tragen Jungs, Männer hingegen nicht. Auch nicht, wenn es warm ist. Wer das altmodisch findet, von mir aus.

"Kurze Hosen und Sandalen tragen Jungs, Männer hingegen nicht"
Begründung?
Soviel mir bekannt ist, trug Jesus auch Sandalen. Dann kann man doch nichts falsch machen.

Ich finde eher den Reiz darin, am Tage, im Job den Anzug zu tragen und dann in der Freizeit ordentlich locker lassen zu können mit bunten Shirts und der Frische "wie gerade vom Strand".
Beide Welten zu leben und sich in ihnen bewegen zu können.