© Paula Winkler / Privatarchiv

Blocklandmorde: Stilles Erbe

1945 überlebt ein Mann als Einziger den Überfall auf den Hof seiner Familie. Zwölf Menschen sterben, auch seine Frau und seine Kinder. Wie konnte er den Tätern vergeben? Von
ZEITmagazin Nr. 27/2019

Wann ich das erste Mal von der Geschichte meines Großvaters hörte, weiß ich nicht. Ich erinnere mich aber an das kleine grüne Buch mit dem weißen Kreuz. Das Buch lag in einem schwarzen Stahlschrank, der in unserem Wohnzimmer stand und der heute in meiner Wohnung steht, einem Schrank, den man abschließen kann und der meist abgeschlossen war. Sein Inhalt schien mir geheimnisvoll. Hier mussten wichtige Dinge beherbergt sein, die nicht für meine Augen bestimmt waren. Manchmal standen die Türen des Schranks offen, und dann blitzte das kleine grüne Buch mit dem Kreuz hervor.