Naturprint: Unser Bild der Natur

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 27/2019

Die Verbundenheit des Menschen mit der Natur kommt in der Mode auf vielfältige Art zum Ausdruck. Einst stammte all das, womit sich Menschen bedeckten, aus der Natur: Sie legten sich Felle von Tieren um, die sie getötet hatten, und wärmten sich mit Hüllen aus Stroh. Später nutzte man die Wolle von Schafen und lernte Pflanzenfasern so zu verweben, dass Stoffe wie Baumwolle und Leinen entstanden. Die Natur war die Quelle all dieser Materialien, und die Natur war es auch, wovor man sich schützen musste – vor Kälte, Nässe und Insekten. Der Mensch brauchte gewissermaßen die Natur, um seine eigene Natur vorantreiben zu können – denn ohne sich eine zusätzliche Haut zu verschaffen, hätten die Menschen sich kaum unter klimatisch widrigen Bedingungen über den ganzen Globus ausbreiten und dort Kulturen begründen können.

Mittlerweile kann man Materialien aus Erdöl herstellen und muss nicht mehr Rehe und Füchse erlegen, um sich zu kleiden. Oft stammt das, was wir heute als natürliches Material ansehen, nicht mehr aus einer natürlichen Umgebung. Baumwolle etwa kommt größtenteils von Baumwollplantagen, auf denen überzüchtete Pflanzen so viel Wasser verbrauchen, dass die Natur dadurch gefährdet wird. In echter Natur würde kein Hochleistungs-Wollschaf heute lange überleben. Wirklich natürliche Materialien zu gewinnen wäre so teuer, dass wir uns das gar nicht leisten könnten. Und wo es trotzdem geschieht, finden wir es empörend. Oder identifiziert sich jemand freiwillig mit Fallenstellern, die in Alaska Kojoten-Pelze erbeuten?

Aber je mehr sich die Mode faktisch von der Natur entfernt, desto stärker sehnt sie sich offenbar nach ihr: Unter Tausenden möglichen Motiven sind es stets die Blumen, die Sommer für Sommer die Saison beherrschen – wie man auch in diesem Jahr etwa an den prächtig bedruckten Kleidern von Diane von Furstenberg erkennen kann. Auch das Tierfellmuster – ein Dauerbrenner etwa bei Roberto Cavalli – ist aus der Mode nicht wegzudenken, obwohl eigentlich niemand möchte, dass Leoparden getötet werden.

Der Luxuswarenhersteller Louis Vuitton hat nun eine Tasche im Programm, die von der Natur inspiriert ist: eine Sonderedition des Künstlers Sam Falls, der mit großen Fotogrammen bekannt geworden ist, für die er Pflanzen verwendete. Für die Handtasche hat er sich von den Silhouetten von Blüten und Blättern aus Nordkalifornien inspirieren lassen. Das Ergebnis ist ein Spaziergang durch die Natur, den man als Tasche tragen kann. Natürlich nur bei schönem Wetter. Draußen im Park.

Foto: Peter Langer / Bunt wie eine Wiese: Sam-Falls-Tasche von Louis Vuitton

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