Mode im Sommer : Leder light

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 28/2019

Leder ist eines der ältesten Materialien, mit denen sich Menschen bekleiden, auch wenn man bis heute nicht genau weiß, wie sie darauf gekommen sind. Denn wenn man Tieren das Fell abzieht und es einfach trocknet, wird es bretthart. Irgendwann wird man wohl durch Zufall festgestellt haben, dass man die Tierhaut durch Kauen, Einreiben mit Ölen, Räuchern oder durch die Behandlung mit Baumrinde geschmeidig machen kann. Die Ledernutzung hing also schon immer stark mit den technischen Möglichkeiten zusammen. Und so ist es geblieben. Noch im vergangenen Jahrhundert waren Ledermäntel oft schwer. Inzwischen kann Leder so dünn geschnitten werden, dass es fein wie Baumwolle ist, und dank Lasertechnologie kann es beliebig zugeschnitten werden.

Und so kommt es, dass es heute sommerliche Lederbekleidung gibt. Bei Max Mara sehen wir asymmetrische Lederoberteile, Acne zeigt ärmellose Ledertops, bei Alexander McQueen gibt es ein Lederbustier und bei Céline wiederum einen schmal geschnittenen, leichten Ledermantel.

So viel Tierhaut war nie in der warmen Jahreszeit. Und möglicherweise könnte das einmal zum Problem werden. Denn in der Mode geht es heute nicht mehr nur um Dinge, die man trägt, sondern auch um Dinge, die man nicht mehr tragen darf. Etliche Marken haben bekannt gegeben, auf Pelz zu verzichten. Es wird aber wohl nicht beim Pelz bleiben. Denn es gibt kaum ein tierisches Material, gegen das man nichts einwenden kann. So verzichten einige Marken, etwa Chanel, schon auf exotische Lederarten. Diane von Furstenberg und Burberry wollen keine Angorawolle mehr verwenden, da die Haltung von Angorakaninchen für diese oft qualvoll ist. Auch die beliebte Merinowolle ist mittlerweile in der Kritik, weil die Schafe bei der Schur verletzt werden können und dadurch erkranken. Und natürlich bietet auch das Leder Diskussionsstoff.

Das meiste Leder in der Modeherstellung stammt heute aus China, einem Land, das nicht dafür bekannt ist, seine Produktion durch aufwendige Tierschutzbestimmungen einzuschränken. Bei den Luxusmarken hat man dieses Problem schon erkannt. LVMH etwa gab vor zwei Jahren bekannt, dass der Konzern seine Lederwaren bis 2020 zu 70 Prozent aus kontrollierten Gerbereien beziehen will. Vielleicht wird es aber einmal so sein, dass es als wahrer Luxus gilt, kein Leder mehr zu verwenden. Bei Stella McCartney wird seit Jahren keins mehr angeboten. Möglicherweise werden Luxusmarken, die heute vermelden, nur noch "Fake-Fur" zu verarbeiten, einmal stolz ihre Kollektionen aus synthetisch hergestelltem Leder vorstellen. Technisch möglich wäre es ja.

Foto: Peter Langer / Leder als Luxus: Mantel von Céline

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