Traumhäuser: Über Traumimmobilien

Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 33/2019

Wir glücklosen Premiumbausparer können ausnahmsweise von einem einzigartigen Objekt auf dem, wie man so sagt, angespannten Immobilienmarkt berichten. Denn wir haben erfahren, dass die Herren Dolce und Gabbana (D&G) ihre Villa auf der Vulkaninsel Stromboli (Einwohnerzahl: 542) verkaufen, und in der Süddeutschen Zeitung lesen wir von "235 Quadratmetern, sieben Suiten, gehalten in exzentrischen Farben und barocker Üppigkeit", und da möblieren wir bereits im Geiste selbst. Hier die Couchette, da der Marmortiger, dahinten der Zimmerspringbrunnen und der betanzbare Kleiderschrank und daneben das Infinityfenster mit Blick auf den zuweilen malerisch hustenden Vulkan, dessen aventürliche Beschreibung durch den Kollegen von der SZ wir einfach mitzitieren müssen: "Wenn er aktiv ist, wie gerade jetzt, der Boden alle paar Minuten bebt und Lavaströme sich träge ins Wasser ergießen, dann sind Schönheit und Gefahr so nahe, dass das Herz im Hals schlägt."

Nun haben wir Wohnnomaden der Gesellschaftskritik unser Herz zwar längst zwangsversteigern müssen, aber wir erkennen hier eine sehr reizvolle Hanglage. Zudem soll das Supermodel Naomi Campbell unweit der D&G-Immobilie schwimmen gelernt haben, was man ja über kein Wassergrundstück im baufälligen Berliner Umland sagen kann, wo man Schwimmen nach acht Dosen Pilsator wieder verlernt und keine DLRG weit und breit, nur Oma Kubenke von nebenan, die wieder über ihrer Landserromanze eingeschlafen ist, aber wir schweifen ab. Warum die Stardesigner sich ihrer Traumvilla trotz allem entäußern wollen: Sie "zehre an den Körperkräften" und sei insgesamt zu aufwendig, was entweder heißt, dass es heute nicht einfach ist, gutes Hauspersonal zu finden, oder dass sie es leid sind, sich von Gästen wie Tom Cruise oder Madonna die exzentrischen Wandfarben wegmeditieren zu lassen.

Vielleicht hatte Naomi Campbell auch angekündigt, im Pool nun noch Stand-up-Paddeln lernen zu wollen, und einen Haken muss es selbst bei solchen Villen geben. Die zwei zögen jetzt auf die ruhigere Nachbarinsel Salina, heißt es, und wie man hört, haben sie schon etwas gefunden, was nun unser aller Hoffnung zerstört, ihnen auf Wohnungstausch24 unsere 55 Quadratmeter mit Staffelmiete und Blick auf eine namenlose Verkehrsinsel (Einwohnerzahl: 1 Fuchs, 3 Tauben) anzubieten, inklusive Lift und obendrein garantiert tomcruisefrei. Na ja, schade. Deshalb müssen wir zum Ende dieser Annonce leider sagen: Preis auf Anfrage, Schufa-Auskunft sicherlich dringend erwünscht.

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