Malik Klautzsch: "Es ist megaspannend, Pflanzen beim Wachsen zuzusehen"

© Lisa Wassmann
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 36/2019

Ich will nicht Landwirtschaft studieren oder so, ich will richtig Landwirt werden. Freunde haben mich zwar gefragt, warum nicht Förster, wo du auch gern im Wald bist und dich mit Wildschweinen und Rehen ganz gut auskennst? Aber ich bin mir ganz sicher.

Es ist toll, draußen zu sein, und megaspannend, Pflanzen beim Wachsen zuzusehen. Jeden Tag passiert etwas anderes, mal muss der Trecker repariert werden, mal kommt ein Kalb, langweilig kann es nicht werden.

Manche finden meinen Berufswunsch ein bisschen lustig, weil ich mitten in Berlin aufgewachsen bin. Die Stadt gefällt mir, ich laufe gerne durch die Straßen. Aber noch viel toller ist es, wenn ich auf dem Land bin, an der frischen Luft. Manche in meiner Schule können nicht verstehen, dass es sogar cool ist, im Herbst oder Winter draußen zu arbeiten, wenn es kalt ist. In meiner Schule wollen die meisten Erzieher werden, so kommt es mir vor. Landwirtschaft taucht in der Schule als Thema fast gar nicht auf. Außer wenn ich ein Referat halte, dann suche ich mir immer etwas mit Landwirtschaft.

Es fing an, da war ich drei oder vier. Damals bin ich mit meiner Mutter und meiner Tante zum ersten Mal nach Niedersachsen gefahren, nach Badbergen, auf den Hof von Freunden. Die hatten da noch Zuckerrüben, Weizen, Mais, Schweine. Ich habe ein vergrößertes Foto in meinem Zimmer stehen: ich als kleines Kind als Beifahrer mit dem Freund auf dem Trecker, mitten im Feld. Als ich älter wurde, habe ich dann mitgeholfen auf dem Hof. Irgendwann durfte ich alleine nach Niedersachsen fahren im Zug, fast jede Schulferien war ich dort.

Mit den eigenen Pflanzen, das fing so vor drei Jahren an. Da hab ich mir einen Topf mit Basilikum aus der Küche in mein Zimmer genommen, um es aufzupäppeln. Wenn ich heute eine Tomate esse, die mir schmeckt, lege ich ein paar Kerne zur Seite. Tomaten sind einfach zu ziehen. Bei Litschi bin ich gescheitert, die sind sehr anspruchsvoll. In meinem Zimmer stehen inzwischen knapp 50 verschiedene Pflanzen, einige doppelt oder dreifach. Ich kümmere mich gerne um sie. Wenn eine stirbt, bin ich traurig. Wenn es einer richtig gut geht, freue ich mich. Der Großteil meines Taschengelds geht für Pflanzen, Erde, Töpfe und Seramis drauf, das sind diese kleinen Tonstückchen, die man in die Erde mischt. Davon steht ein 15-Liter-Sack neben meinem Kleiderschrank.

Ich will natürlich als Landwirt unbedingt Getreide und Gemüse anbauen. Aber auch Tiere haben, 20 Kühe, stelle ich mir vor, also im Jahr auch 20 Kälber. Ich finde es toll, wenn alles ineinandergreift: Die Kühe fressen von den Pflanzen, der Mist der Kühe kommt als Dünger aufs Feld.

Hunde will ich dann auch endlich haben: einen Golden Retriever und einen Border Collie, mindestens. In meinem letzten Praktikum war es manchmal hart, um sechs Uhr morgens aufzustehen. Aber wenn mir die Hunde entgegengesprungen sind auf dem Hof, dann war ich wach und hatte sofort Lust, anzufangen.

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