John Legend: Über Insta-Boyfriends

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 37/2019

Der moderne Mann muss stark sein, aber nicht zu stark, denn er muss auch sensibel sein, aber nicht zu sensibel. Er sollte seine Karriere wichtig, aber nicht zu wichtig finden und sich in Kochbücher wie in Spülmaschinen-Bedienungsanleitungen vertiefen. Zu diesen vielfältigen Belastungen ist in letzter Zeit eine äußerst wichtige Aufgabe hinzugekommen: dafür zu sorgen, dass seine Liebste auf Instagram gut aussieht.

Das bekam gerade der Sänger John Legend zu spüren. Seine Frau, das Model Chrissy Teigen, beschwerte sich auf Instagram, dass sie das gemeinsame Leben und die Kinder für ihre 25 Millionen Follower dokumentiere, während von ihr niemand schöne Fotos mache. Damit keine Missverständnisse aufkommen, wer "niemand" ist, schrieb sie darunter: "To John". Der postete schnell ein paar Bilder von ihr und den Kommentar "My wife is beauuuuuutiful #goodinstagramhusband".

Vielleicht hat John Legend außerdem zu Hause Besserung gelobt. Aber vielleicht hat er auch einfach keine Lust mehr auf den Job und läutet damit das Ende eines relativ neuen Typs Mann ein: des Instagram-Boyfriends (bzw. -Husbands). In der Urlaubszeit hat man ihn wieder überall in Aktion gesehen – und man könnte verstehen, wenn all diese jungen Männer nicht mehr warten möchten, bis der Stand der Sonne am besten ist, um die Haare der Freundin im Gegenlicht zum Leuchten zu bringen. Wenn sie es leid wären, einen überfüllten Strand so zu fotografieren, dass es aussieht, als bade die Liebste allein im Paradies. Und dass sie lieber gemütlich auf dem Strandhandtuch den neuesten Fitzek wegblättern möchten, statt sich mit der Kamera darunter zu verkriechen, um zu prüfen, mit welchem Filter aus der besten der 73 Aufnahmen die perfekte wird. Wer gesehen hat, wie lächerlich sich Männer verrenken, um auch wirklich den allerallerbesten Winkel fürs Foto zu finden, ahnt: Der Boyfriend war das wahre Opfer des Instagram-Wahns.

War – denn der Streik hat begonnen. Der Schauspieler Ryan Reynolds hat zum Geburtstag seiner Frau Blake Lively einfach mal zehn Fotos von ihr gepostet, die ganz normal misslungen sind. Und in Rom kann man jetzt einen Instagram-Boyfriend mieten, der einen durch die Stadt fährt und fotografiert, Colosseum, Spanische Treppe, Trevi-Brunnen. Drei Stunden, 30 Aufnahmen, 599 Euro. Eine Art Instagram-Escort-Service.

Der Mann wird sich befreien von dieser Fron. Dann kann er sich endlich wieder auf Sixpack, Geschirrspülen und einfühlsame Gespräche konzentrieren.

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