Ich habe einen Traum: "Meine Stimme ist für 48 Millionen Dollar versichert"

© Daniel Gebhart de Koekkoek
ZEITmagazin Nr. 38/2019

Als Kind habe ich meine Tagträume ausgelebt und mich sooft es ging verkleidet. Ich liebte es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Halloween war deshalb ein besonderer Festtag für mich. Am liebsten verwandelte ich mich in einen Vampir: Viel Make-up, Kontaktlinsen und Reißzähne – fertig.

Meine nächtlichen Träume sind ziemlich irre. Zuletzt träumte ich von einer anscheinend berühmten Popsängerin, mit der ich im Studio war, um einen Song aufzunehmen. Sie hatte ihre Handtasche auf den Boden gestellt, und ich urinierte da heimlich rein – keine Ahnung, warum. Mir war erst gar nicht klar, was ich da tat. Als es mir dämmerte, bekam ich einen fürchterlichen Schreck. Also machte ich wie ein Wahnsinniger ihre Tasche sauber, in der Hoffnung, dass sie es nicht bemerkt. Dann bin ich aufgewacht.

Früher dachte ich, dass meine Zukunft im Theater liegt. Musik war eher mein Plan B. Als Schauspieler in Musicals war ich bereits professionell etabliert und konnte gut davon leben. Aber irgendwann verlor ich die Freude daran. Ich war 26, und es ging mir zunehmend auf die Nerven, den Regieanweisungen zu folgen: Steh hier! Steh dort! Zieh dieses und jenes an. Ich hatte das Gefühl, in einem Freizeitpark als Roboter angestellt zu sein. Grundsätzlich habe ich ein Problem mit Autoritäten. Zu der Zeit begann ich mich zunehmend um meine eigene Musik zu kümmern.

Ich bewarb mich bei der Castingshow American Idol . Um da vorsingen zu können, kündigte ich meinen festen Job im Theater. Das war schon ein ziemliches Risiko, denn ich hatte ja nichts in der Hand außer der vagen Hoffnung, dass mich die Juroren mögen könnten. Das alles hatte ich im Kopf, als ich in der Show den Queen-Song Bohemian Rhapsody sang. Der Song ist recht schwierig zu singen. Aber ich hatte Glück.

Inzwischen ist meine Stimme für 48 Millionen Dollar versichert, denn sie zu verlieren wäre ein Albtraum.

Die ersten Jahre meiner Karriere waren überschattet von dieser ganzen Diskussion darüber, dass ich homosexuell bin. Die Medien interessierten sich mehr dafür, dass ich schwul bin, als für meine Musik. Eine Zeit lang war das auch ein Albtraum, mit dem umzugehen ich erst noch lernen musste. Für mich war meine Sexualität kein großes Thema, ich hatte mein Coming-out mit 18 und habe daraus nie ein Geheimnis gemacht. Deshalb war der Wirbel für mich auch so irritierend. Andererseits gab es im Mainstream-Pop zu der Zeit kaum offen schwule Musiker. Damals, vor zehn Jahren, war die Gesellschaft wohl noch nicht so weit. Aber in den letzten Jahren haben sich ja immer mehr Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, zu ihrer Homosexualität bekannt: Schauspieler, Sportler, sogar Politiker. Damit ist wirklich ein Traum wahr geworden.

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