Deutschland: Ausgestorbene Blütenpflanzen

Was wurde aus Schultz' Hunds-Veilchen oder dem Sichelfrüchtigen Hornköpfchen? Nun, nicht viel. Sie gehören zu den Blütenpflanzen, die die Zivilisation dahingerafft hat.
Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 38/2019

Quelle: Botanische Staatssammlung München, A. Fleischmann

Wem die Namen der Pflanzen auf dieser Karte nichts sagen, sollte sich nicht wundern. Sie waren in Deutschland nämlich immer schon selten, und heute gibt es sie hier gar nicht mehr. Es handelt sich um Blütenpflanzen, die nur an einem oder an wenigen Orten wuchsen. Die Karte zeigt eine Auswahl solcher Pflanzen, deren Aussterben gut erforscht ist. Jedes Ende erzählt eine eigene Geschichte: Der Bodensee-Steinbrech etwa verkraftete das verschmutzte Wasser des Sees nicht, außerdem setzte ihm die Bebauung des Ufers zu. Ein besonders tragischer Fall ist der Bayerische Augentrost: Der Botaniker, der diese Art erstmals wissenschaftlich beschrieb, rupfte dummerweise sämtliche Exemplare aus dem Boden, es waren 25 Stück. Man fand die Pflanze woanders nie wieder. Man darf die Karte übrigens keinesfalls so verstehen, dass dort, wo sie leer bleibt, der Mensch gut zu den Pflanzen gewesen ist und sie alle überlebt haben. In Niedersachsen und im Ruhrgebiet, vermuten Botaniker, haben wohl die intensive Landwirtschaft beziehungsweise die Industrialisierung dafür gesorgt, dass dort die seltenen Pflanzen verschwanden, bevor die Wissenschaft sie erfassen konnte.

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