Pandababys: Über Abwanderung

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 38/2019

Es gibt wenig, worauf sich die Menschheit einigen kann. Eines davon: Pandababys. Es ist quasi unmöglich, Pandababys nicht süß zu finden, zumindest bis zu dem Moment, an dem man "neugeborene Pandas" googelt und an Nacktmulle erinnernde Fleischklöpschen sieht, die mit erwachsenen Pandas äußerlich ungefähr so viel gemein haben wie Raupen mit Schmetterlingen. Aber das gibt sich ja mit der Zeit.

Was passiert ist: Berlin hat zwei neue Pandababys. Das ist erst mal niedlich (Babys!) und zweitens schön, weil es generell zu wenig gute Neuigkeiten von Berliner Zoos gibt. Das süße, aber eben nicht Knut seiende Eisbärenbaby ist tot. Zwei schwule Königspinguine hatten leider kein Glück beim Ausbrüten eines Eis. Wenn schon nicht Eisbär, dann ist Pandabär immerhin zweite Wahl, und halt immer noch Bär und damit süß.

Dann die Schocknachricht: Die Berliner Pandabären sollen gar nicht für immer in Berlin bleiben, sie müssen wahrscheinlich nach vier Jahren weiterziehen, weil die Eltern eine Leihgabe aus China sind. Und das, obwohl sich Berlin so eine Mühe gegeben hat. Mit einem Bären als Wappen, gleich zwei großen Zoos und auch sonst. Ein Trost: "Egal, wohin er zieht. Der Nachwuchs ist und bleibt Berliner", so der Zoodirektor.

Die Angst der Abwanderung hat mittlerweile also auch Deutschland erreicht. Gegen Abwanderung ist man hierzulande nicht per se, aber können nicht doch lieber andere abwandern? Irgendwelche exotischen Urzeitkrebse, die im trüben Wasser vor sich hin dümpeln und den guten alten deutschen Urzeitkrebsen die "Arbeitsplätze wegnehmen"? Warum gerade die Pandas? Was sollte den Pandas an Deutschland nicht gefallen? Als Deutsche macht man sich da natürlich Gedanken. Deutschland ist doch ein super Land, wir haben ein Sozialsystem, Naturschutzgebiete, kaum Arbeitslosigkeit, und die Trinkwasserqualität aus dem Hahn ist Eins a. Nur eines müssen wir vielleicht noch ändern: ein bisschen Mitleid aufbringen für die armen Pandas, die so weit weg von ihrem Reservat der Herzen wohnen müssen.

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