© Illustration: Jim Stoten

Stadtverkehr: Tret, tret. Dingel, dingel. Hup, hup.

Ach, München, wenn du nur wüsstest, wie gut du es hast! In keiner anderen deutschen Stadt kommen die Verkehrsteilnehmer so gut miteinander aus, nirgendwo sonst kommt man schöner von A nach B. Eine überfällige Liebeserklärung Von

Es gibt doch wirklich nichts zu meckern. Dachte ich, als ich die Leute in den gelben T-Shirts sah, die an der Isar standen. Grässliche gelbe T-Shirts. Unterschriften wollten sie, für ein Volksbegehren, den Radentscheid – für eine bessere Fahrrad-Infrastruktur in München. Ich fand das lächerlich, vor allem an diesem Ort, neben dem Isarradweg, der ja wohl himmlisch ist. Man radelt an jedem Stau vorbei auf diesem Radweg. Wenn es schneit, wird er innerhalb von ein paar Stunden geräumt, und wenn es heiß ist, spenden die Bäume Schatten. Außerdem: dieser Ausblick! Wenn ich bis an mein Lebensende Rad fahren müsste, immer geradeaus und immer wieder die gleiche Strecke, quasi die Radlversion von Sisyphus, dann würde ich dafür den Isarradweg wählen. Trotzdem standen sie hier, die Männer und Frauen in den gelben T-Shirts, und sammelten Unterschriften, weil sie nicht zufrieden waren. Ich verstand diese Leute nicht, einerseits weil ich noch nie verstanden habe, warum Menschen das Bedürfnis nach einheitlichen T-Shirts haben. Andererseits weil ich das Gefühl hatte, sie würden mein Glück anzweifeln, die Freude, die mir dieser Radweg macht. Die Freude, die es mir überhaupt macht, in München von A nach B zu kommen.