Skater-Look: Rollende Mode

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 40/2019

Um der Skater-Kultur zu huldigen, muss man heute nicht mehr auf Rollen durch die Gegend fahren. Sogar Marken wie H&M und Forever 21 drucken Logos wie das des Skater-Magazins Thrasher auf ihre T-Shirts. Skate-Fashion-Labels, etwa Supreme, sind stilbildend und gehen viele Kooperationen mit Marken wie Comme des Garçons bis Meissen ein. Der Look der Skater-Kultur spiegelt sich in etlichen Kollektionen wieder: Bei Louis Vuitton sehen wir eine Skatermütze, bei Gucci trägt man Lagenlook, bei Balenciaga Oversized-T-Shirts. Das Verführerische am Skater-Look ist, dass man recht teure Produkte lancieren kann, denen gleichzeitig das Image der Subversion anhaftet. Anti-Establishment, Anti-Konsum. Wer skatet, lehnt die Karriereleiter ab und widmet sich stattdessen der Half-Pipe. Man übt lieber ein paar Tricks, als vor dem Chef zu buckeln. Statussymbole und Sicherheiten braucht der Skater angeblich nicht, er will nur grinden.

Manche warnen daher vor einem Ausverkauf der Skater-Kultur an die Luxusmode. Dabei vergessen sie allerdings, dass Skaten nie eine Anti-Konsum-Haltung war. Im Gegenteil: Die Mode liebäugelt heute so gerne mit den Skatern, weil sie schon immer einer zutiefst durchästhetisierten Szene angehörten. Sie waren von Beginn an produktverliebt. Skaten war kein Sport der Arbeiterkinder wie Fußball, sondern ein Hobby der Kinder der besseren Gesellschaft. Es entstand in den USA in den Sechzigerjahren, auf dem Höhepunkt der Surf-Welle: Skaten sollte Surfen auf dem Asphalt sein. Es war eine Beschäftigung junger Mitglieder der Ober- und Mittelschicht. Später wurde der Stil wilder, man pflegte lange Haare und zerschlissene Kleidung. Der Fahrstil wurde riskanter und ging mit vielen Stürzen einher; Skater trugen nun Kleidung in mehreren Lagen, damit sie sich nicht so schnell die Knie und Ellbogen aufschürften.

Dadurch war Skaten sofort mit einen Look und einem Lifestyle verbunden: Es ging um Maskulinität, Selbstzerstörung und Jugend. Beim Skaten spielte die Optik eine Rolle, denn die Stunts waren nur etwas wert, wenn man sie anderen auch zeigen konnte. Skater machten nicht unbedingt Punkte in Wettkämpfen, aber sie nahmen ihre Tricks auf Video auf und teilten diese mit anderen. Es war sozusagen eine Social-Media-Sportart, bevor es Social Media gab. So entstanden schnell Skate-Modemarken wie Santa Cruz, Vans und Vision. Es dauerte nicht lange, da wurden die Skater-Stars von den entsprechenden Labels ausgestattet. Somit hatte der Sport auch den Influencer erfunden, bevor es Instagram gab.

Foto: Peter Langer / Heute ohne Board: Daunenjacke in Skater-Optik von Moorer

Kommentare

56 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

"Heute pflegt man Anleihen aus den Anfangszeiten."

Das erklärt wohl, Was ich bei Großstadtbesuchen diesen Sommer verstärkt wahrgenommen habe und positiv sehe.

Die Jungs laufen nun wieder in ganz simplen "Sportunterricht"-Klamotten in Fußgängerzonen herum. Simples, gepflegtes (überwiegend weißes) T-Shirt und simple, kurze (überwiegend schwarze) Sporthose.

Sonnenbrillen scheinen aktuell irgendwie total out zu sein.