© Benedikt Luft

Airbnb : Mieten-Nieten

Lange gab es für viele Reisende nichts Schöneres, als in fremden Städten über Airbnb bei privaten Vermietern unterzukommen. Doch mittlerweile sehen alle Wohnungen gleich aus, der Spaß geht verloren. Ein Erfahrungsbericht Von
ZEITmagazin Nr. 41/2019

Rückblickend war mein schlimmstes Airbnb-Erlebnis vielleicht mein bestes. Ich hatte mich bei einer Frau in Paris eingemietet, in einem Viertel im Süden der Stadt mit marokkanischen Restaurants und kleinen Gemüseläden. "The Design Appartement" nannte die Mittvierzigerin ihr Domizil im Inserat, man sah Bilder einer hellen Altbauwohnung mit einem roten Sitzkissen auf dem Parkettboden, Bücherstapeln und Ölbildern an den Wänden. Von der Decke baumelte eine Vase an einer Schnur, darin eine rote Rose. Sie vermiete eines ihrer zwei Zimmer, schrieb die Frau. Als ich ankam, wurde klar, was das hieß: Für die Dauer meines Aufenthalts schlief sie auf einer Isomatte im Wohnzimmer, ich im Schlafzimmer. Die Tür zwischen den beiden Zimmern ging nicht richtig zu, und sie kam ständig bei mir rein, um Dinge aus dem Schrank zu nehmen und mich daran zu erinnern, Ordnung zu halten. In der Küche stapelte sich benutztes Geschirr, und wenn ich abends nach Hause kam, musste ich über ihr Schlaflager im Wohnzimmer steigen. Hinterher schrieb ich ihr eine, wie ich fand, konstruktiv kritische Bewertung, woraufhin sie mir eine gekränkte Nachricht schickte: Wenn ich ein Hotel wolle, solle ich doch in eines gehen!