Thomas Gottschalk : Über das Alter

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 41/2019

Es dauert ziemlich genau vier Jahre, bis sich der Farbton Herbstblond zu Herbstbunt entwickelt. Diese Erkenntnis ist dem Moderator und Gelegenheitsschauspieler Thomas Gottschalk zu verdanken. Und nebenbei hat er noch das neue Genre der Vierjahresbiografie erfunden.

Herbstblond hieß die eigentliche Autobiografie, in der Gottschalk vor vier Jahren beschrieb, wie aus dem kleinen Thomas der große Gottschalk wurde. Und Herbstbunt – Wer nur alt wird, aber nicht klüger, ist schön blöd heißt das soeben erschienene Nachfolgebuch, in dem Gottschalk erzählt, was seit der Zeit passiert ist, als er noch herbstblond war: Der Oberschenkelmuskel zwickt, das Haus brennt ab, die Ehe geht zu Bruch. Was man halt so erlebt.

Eigentlich verbinden wir mit dem sonnigen Gemüt von Gottschalk eher ewigen Frühling als den trüben Herbst, die Zeit, in der die Blätter fallen. Aber wahrscheinlich ziehen Titel mit "Herbst" bei seiner mit ihm alternden Leserschaft sehr gut. Und seltsamerweise wird der Mann, der immer noch ein bisschen Tommy ist, im nächsten Mai 70 Jahre alt und macht bereits Werbung für Hörgeräte.

Aus der Herbstnummer kommt er so schnell nicht wieder raus. Das verbietet sich aus Gründen des Bucherfolges. 2023 wird Herbstmeister – Wer blöder wird und nicht klug, ist schon alt erscheinen.

Noch mal vier Jahre später schreibt Gottschalk Herbstblues – Wer nur alt wird, aber nicht blöd, hat einfach nur Glück, um dann 2031 Herbstabend – Wer nur klug wird, aber nicht alt, ist schon tot zu veröffentlichen.

2035: Herbststurm – Wer alt wird, ist schön blöd.

2039: Herbstgutachten – Wer nur Herbstblond kauft, aber nicht Herbstbunt, ist nicht vollkommen blöd. Da ist er immerhin schon 89 Jahre alt.

Doch wir ahnen, dass dies nicht alles sein wird. Wenn Gott und die geriatrische Medizin es wollen – und natürlich werden die wollen, was denn sonst? –, startet Thomas Gottschalk 2043, eine große Überraschung auf dem Buchmarkt, doch noch eine Winter-Trilogie. Mit einer kleinen Änderung allerdings: Die autobiografischen Bücher erscheinen fortan jährlich, in dem Alter weiß man ja nie.

Der Zyklus startet mit Winterweiß – Wer nur blöd ist, aber nicht alt, war noch nie klug (2043), als zweiter Band folgt Wintereinbruch – Wer nie klug war, wird im Alter trotzdem noch ein bisschen blöder. Und 2045 wird dann sein vorerst letztes Buch erscheinen: Winterstarre – Wer jetzt noch schreibt, ist noch nicht tot.

Kommentare

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Berufsjugendlicher?! Bei dem Wort muß ich eher an Erich Honecker und Udo Lindenberg denken - letzterer akzeptiert für sich natürlich nur "Der Greis ist heiß - von den Likörchen glühen die Öhrchen". Beim singulären Prototyp Gottschalk trifft es der liebe Kolumnist eher mit "Der ewige Tommy" ... oder wie wäre es mit dem abgewandelten Luther "Hier stehe ich, ich kann noch mehr ..."?! Auf, auf, zum Eschatotyp!