Harald Martenstein: Über Sozialismus als Brettspiel, ein politisches Kinderbuch und die religiösen Züge der Klimaschützer

Politische Kinderbücher sind auch was für Freunde des Kitsches, und Klimaschützer sollten als Glaubensgemeinschaft anerkannt werden. Das ist nicht abwertend gemeint! Von
Aus der Serie: Martenstein ZEITmagazin Nr. 44/2019

Ich mag Kitsch und politische Skurrilitäten. Unter anderem besitze ich eine mit Weihwasser gefüllte gläserne Madonna aus Lourdes und das Brettspiel Monopoly Socialism aus den USA. Die Spieler erwerben keinen Besitz, nur "Konzessionen", sie gründen vegane Restaurants oder so eine Art Waldorfschule. Allerdings scheitern viele an astronomischen Steuernachzahlungen. Statt ins Gefängnis kommt man ins "Rehab" zum Drogenentzug.

In Deutschland ist seit Kurzem das Kinderbuch Käpt*in Rakete auf dem Markt, es steht, heute, da ich dies schreibe, auf Platz 58 der Bestsellerliste. Herausgeber ist eine Gruppe namens "Hooligans gegen Satzbau". Empfohlen wird das Buch für Kinder "ab 24 Monaten". Ich zitiere eine Rezension: "Ihr Teddybär droht in der Regenrinne zu ertrinken. Alarmstufe Rot im Kinderzimmer von Käpt*in Rakete. Das Mädchen kämpft sich mit einem Bollerwagen als Boot durch den peitschenden Regen." Auf Amazon schreibt ein Rezensent über das Kinderbuch: "In einem idealen Staat würde es jedem Paar zur Vermählung überreicht." Den Versuch, ein politisches Buch zum Standard-Hochzeitsgeschenk zu machen, hatten wir in Deutschland doch schon! Da war der Held allerdings ein unschöner Mann mit Bärtchen.

Für Freunde des Kitsches gibt auch die Klimabewegung etwas her. In der laizistischen Kunst ging es ja seit Langem um nichts mehr, da fehlten die Inbrunst, das Heroische, nur noch Negativismus. Wenn ich mir Fotos von Luisa Neubauer, Greta Thunberg oder Kapitänin Rackete anschaue, dann sehe ich, in welche Richtung das geht. Kunst wird wieder gegenständlich, auf keusche Weise schön und leuchtet von innen wie Maria bei Raffael und Botticelli.

Ich bin sowieso dafür, die radikalen Klimaschützer offiziell als Religionsgemeinschaft anzuerkennen. Das meine ich gar nicht abwertend. Viele Religionen haben ehrenwerte Ziele, Frieden, Liebe, Paradies, all das. Aber jedem ist klar, dass es mehrere Religionen gibt. Der eine isst kein Schweinefleisch, der andere wartet zudem auf den Messias, das übt in Geduld, die Dritte geht ins Kloster. Die müssen halt alle miteinander klarkommen. Wenn "Klimatismus" als Religion anerkannt wird, sorgt dies folglich mit einem Schlag für eine Befriedung der öffentlichen Debatte. Wenn einer sagt: "Du, ich glaube nicht an den baldigen Weltuntergang", dann wäre dies kein Skandal. Er hat halt eine andere Religion. Gut wäre, dass die Klimatisten als Religionsgemeinschaft ihre Messen an zugewiesenen Orten abhalten müssten. Die Katholiken dürfen an Weihnachten ja auch nicht in Berlin die Kreuzung Großer Stern blockieren, obwohl das religiös Sinn machen würde, wegen des Sterns von Bethlehem. Es würde den Zentralrat der Klimatisten geben, ein Konkordat und eine Klimasteuer, die vom Zentralrat festgelegt wird, aber man darf austreten und ist dann steuerbefreit. Ich hätte natürlich auch nichts gegen einen neuen Feiertag.

Fasten und Verzicht kennen andere Religionen ebenfalls. Die anderen Glaubensrichtungen haben allerdings an bestimmten Ausnahmetagen eine orgiastische Note, man denke an die sittenbefreite Fastnacht oder daran, wie die Muslime es am Ende des Ramadan richtig krachen lassen. Das fehlt noch, ein Klimafasching, wo die alle an einem Tag des Jahres Auto fahren, Bratwurst essen und CO₂ verursachende Kinder produzieren. Das muss im Hochsommer stattfinden, dann machen die Christen mit ihrem unsinnlichen Februartermin keinen Stich mehr. Danach ab zur Klimabeichte, mit Kompensationszahlungen! Aber ich mische mich in andere Religionen ungern ein.

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