Papst Franziskus: Über Heilige

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 44/2019

Im Himmel mag es ein Riesen-Gossip-Thema sein, wer wohl als Nächstes mit seiner Heiligsprechung rechnen darf. Hier unten auf Erden ist es eins, das nur vom Sender Domradio mit Spannung verfolgt wird. Und selbst dort kritisierte gerade ein Vatikanexperte, die Heiligsprechungen in Rom seien auch schon mal würdevoller abgelaufen. Es wird eben auch viel weggeheiligt: Papst Franziskus hat es in sechs Amtsjahren bereits auf mehrere Hundert Heilige gebracht. Und obwohl es nach dem Tod keinen besseren Titel gibt, kennt kaum einer die Namen der Höchstbeförderten.

Nun hat es die Nachricht, dass die Schweizer Ordensschwester Marguerite Bays (1815–1879) und vier weitere Kandidaten fortan heilig seien, überraschenderweise doch auf die Klatschseiten der nichtchristlichen Medien geschafft. Denn als der Papst die frohe Kunde von der Heiligsprechung auf Twitter mit #Saints behashtagte, ordnete Twitter diesen Begriff der amerikanischen Footballmannschaft New Orleans Saints zu und verzierte den Hashtag vollautomatisch mit einer Lilie, dem Logo dieser Mannschaft. Kurz sah es also so aus, als feiere der Papst eine Footballmannschaft, Mitglied der National Football League.

Es ist natürlich möglich, dass dem Papst ein digitales Missgeschick passiert ist, weil von Rom aus betrachtet #Saints immer noch die echten Heiligen sind, so wie vom Alten Land aus betrachtet #apple immer noch ein echter Apfel ist. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Papst einen Plan hatte. Er sah, dass die Menschen nicht nur die Heiligen, sondern auch die Feiertage nicht mehr kennen. Da kann Allerheiligen noch so nahe sein, kaum jemand stürmt in den Baumarkt und kauft Grabkerzen, die dort verschämt "Dauerbrenner mit Deckel" heißen, um am 1. November Verstorbene auf Friedhöfen zu beehren. Nur in 31,25 Prozent der Bundesländer ist Allerheiligen gesetzlicher Feiertag. Die Vorabendparty (Halloween) ist eindeutig besser besucht.

Wenn die Welt aber über die muskelbepackten Heiligen kichert, das wusste der Papst, wird sie entdecken, dass der Verein nicht ohne Grund so heißt: Er wurde nämlich am 1. November 1966, Allerheiligen also, gegründet. Und die Lilie? Natürlich auch ein christliches Symbol, für Reinheit, Unschuld und Jungfräulichkeit. Es ist wie so oft bei Päpsten: Alles ergibt Sinn. Fortan sind die Saints, deren Name längst so säkular klang wie die Jets, die Colts und die Patriots, ein christlicher Papstverein. Und obwohl er das Geld durchaus gehabt hätte, musste der Papst den Verein dafür nicht einmal kaufen.

Kommentare

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Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/kn

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.

"... viel weggeheiligt" - wow, lieber Kolumnist, jetzt unterstellen Sie aber (gewiß zu recht) der zuständigen Kongregation eine gewisse Massenabfertigungsmentalität - "discounter for saints". Das hieße ja, der "Promotor iustitiae" hätte seines notwendigen Amtes, Indizien gegen die Heiligsprechung zu sammeln, nicht in ausreichendem Maße walten können. Unchristliche Eile ist jedoch ein untrügliches Anzeichen für den Diabolus, diese Mal auf der KandidatInnenseite..

@donquichotte
"... viel weggeheiligt" - wow, lieber Kolumnist, jetzt unterstellen Sie aber (gewiß zu recht) der zuständigen Kongregation eine gewisse Massenabfertigungsmentalität - "discounter for saints".
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Das siehst du falsch! Ein Upgrade in die Business (Selige) & First Class (Heilige) ist schon eine Auszeichnung. Auch wenn der "Himmel unendlich sein soll".... der bessere Service, die größere Beinfreiheit usw. .. ist, wenn man das mal auf "Ewigkeit" sieht/umrechnet, doch nicht zu verachten. Dauert ja ein wenig länger als ein Transatlantikflug!
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Und die, die "upgradet" werden, sind immer noch eine sehr kleine Minderheit, bei der Masse der normalen "Sünder"! Also die Eliten, die man(n) in der RKK dringend braucht, um die "Gnade des Herrn" in passenden Stücken ans Volk zu vermitteln.
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Gr Sikasuu
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Ps. Mann beachte auch den Trend zur Gleichberichtigung. Eine von Fünf= 20% Frauenanteil... Die RKK ist auf dem richtigen(wenn auch langen) Weg....
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Das ist gewisslich wahr!°
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Gr Sikasuu