Tyler Mitchell: Der Optimist

Tyler Mitchell feiert das schwarze Amerika. Und spätestens seit der 24-Jährige die Sängerin Beyoncé für das Cover der amerikanischen "Vogue" fotografiert hat, ist er ein Star. Für uns hat er eine Auswahl seiner Arbeiten zusammengestellt, die hier erstmals in Deutschland zu sehen sind. Von und
ZEITmagazin Nr. 44/2019

Der Amerikaner Tyler Mitchell ist erst 24 Jahre alt und schon ein Star in der Welt der zeitgenössischen Fotografie. Mitchell ist ständig unterwegs, er hat kaum Zeit – für dieses Interview verabreden wir uns mit ihm am Ende im Internet. Die Konversation findet per Videokonferenz statt. Die Interviewer sitzen im Berliner Büro des ZEITmagazins, Mitchell auf dem weißen Bett eines Hotels in Paris. Sein Flieger aus New York ist erst vor ein paar Stunden gelandet.

ZEITmagazin: Herr Mitchell, sind Sie sehr im Jetlag?

Tyler Mitchell: Vielleicht. Weiß ich noch nicht so richtig. Ich bin noch nicht lange genug hier, um das spüren zu können.

ZEITmagazin: Was führt Sie nach Paris?

Mitchell: Hier wird heute ein neues Parfum von Comme des Garçons vorgestellt. Ich habe den Film und die Fotos für die Werbekampagne gemacht.

ZEITmagazin: Sie sind gerade 24 geworden. Sie haben Beyoncé für das Cover der amerikanischen "Vogue" fotografiert, hatten eine Einzelausstellung im Foam in Amsterdam, einem der wichtigsten Fotografie-Museen, Sie fliegen für die Kampagnen globaler Mode-Imperien um die Welt. Können Sie uns erzählen, wie Sie das gemacht haben: so schnell so erfolgreich zu werden? Wie fing das überhaupt an?

Mitchell: Ich komme aus Atlanta, Georgia. Die Stadt besteht im Grunde aus lauter aneinandergewachsenen Vorstadtgemeinden. Die, aus der ich stamme, heißt Marietta. Bevor das mit der Fotografie losging, war ich ein gewöhnliches Mittelklassekind. Wie viele Altersgenossen war ich ziemlich sportbegeistert. Irgendwann als Teenager habe ich auf YouTube Skate-Videos entdeckt, und ich schaute mir die so gerne an, dass ich mir schließlich selbst das Skaten beibrachte. Dadurch lernte ich ein paar andere Skater aus meiner Gegend kennen, und das wurden meine engen Freunde. Und na ja, eines Tages brachte ein Freund eine Kamera mit, und wir begannen, uns damit gegenseitig beim Skaten zu filmen und aus dem Material kleine Filmchen zu schneiden. Ich entwickelte dann sehr schnell eine regelrechte Leidenschaft mit diesem Filmen und Schneiden, es interessierte mich bald viel mehr als das Skaten selbst. Ich habe meine Filme ins Netz hochgeladen, brachte mir immer mehr über Kameraführung, Schnitt, Farbkorrektur und solche Sachen bei, das kann man ja alles leicht online lernen. Und ich bin total in dieser Welt des Films und der Filmemacher versunken, ich schaute mir so viel an, wie ich konnte, und las so viel, wie ich konnte. Es war eine Obsession!

ZEITmagazin: Beim Skaten muss man ja auch seine eigene Angst überwinden, man fällt dabei auch ganz gerne mal auf die Nase. Meinen Sie, dass Ihnen das dabei geholfen hat, sich der Welt von Film und Foto unbefangen zu nähern?

Mitchell: Das kann sein. Ich fühle mich jedenfalls heute ziemlich furchtlos!

ZEITmagazin: Sie lachen.

Im Ernst: Es ist schon erstaunlich, wie viele kreative Leute auch gern skateboarden. Vielleicht hat es damit zu tun, dass man da eigentlich immer gegen sich selbst antritt. Das ist in vielen kreativen Berufen dann ja ähnlich. Der nächste Trick muss besser sein. Das nächste Foto muss besser sein.

ZEITmagazin: Haben Sie Ihren Ehrgeiz also beim Skaten entwickelt?

Mitchell: Bestimmt. Aber ich bin auch ein Einzelkind. Ich war immer schon selbstkritisch.

ZEITmagazin: Was machen Ihre Eltern beruflich?

Mitchell: Mein Vater macht irgendwas mit Beratung, das ich nicht verstehe. Nein, warten Sie. Er wäre traurig, wenn ich das so sagen würde. Ich verstehe es ja auch. Also, er arbeitet als Finanzberater für kleinere Unternehmen. Er hat das Unternehmen anfangs aus unserer Garage betrieben.

ZEITmagazin: Etwas alleine auf die Beine zu stellen, und das von zu Hause aus: Das haben Sie sich bei Ihrem Vater abgucken können.

Mitchell: Absolut! Und das war auch immer eine große Wunschvorstellung für mich, ein Studio im eigenen Zuhause. Ich bin ein Zuhause-Typ.

ZEITmagazin: Und Ihre Mutter?

Mitchell: Die ist Eventmanagerin. Sie ist eine fantastische Logistikerin, sie kann das irre gut, planen, was wann wo sein muss und wie das gehen soll. Das habe ich zum Glück von ihr geerbt. Es ist nämlich vor allem in der Modefotografie immens wichtig: Es macht traurigerweise fast 90 Prozent von großen Shootings aus. Man muss das können und mögen.

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