Skimode: Vom Berg herab

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 47/2019

Seit Ski gefahren wird, gibt es auch spezielle Kleidung für diesen Sport. Und diese beeinflusst immer wieder auch die Mode, die abseits der Berge und Pisten getragen wird. Zur Winterkollektion von Dior etwa gehört eine dunkelgrüne wattierte Sportjacke, und bei Burberry ist eine orange Nylonjacke im Angebot.

Ursprünglich gehörten Ski zur Ausrüstung von Soldaten, erst im 19. Jahrhundert wurden sie zum Sportgerät weiterentwickelt. Die neue Freizeitbeschäftigung boomte Anfang der 1920er-Jahre in Europa. Während an besseren Skimodellen gefeilt wurde, bemühte man sich auch um schönere und zweckmäßigere Skibekleidung. Zuvor trugen Sportlerinnen etwa Pelzschuhe, die zwar warm, aber wenig elegant waren. In den Zwischenraum zwischen Leder und Fell konnte man durch ein Ventil Öl einspritzen, das zusätzlich vor Kälte schützte. Lange Unterhosen und Kniestrümpfe sollten die Beine, so gut es ging, warm halten. Männer trugen Pumphosen aus Loden zusammen mit kniehohen Filzgamaschen, und mittelgroße Hüte schützten sie gegen die Sonne.

Doch mit den Jahren wurde das Skifahren immer modischer. Mitte der Dreißigerjahre und bis hinein in die Vierzigerjahre kombinierte man weite Hosen, deren Bund auf der natürlichen Taillenhöhe saß, mit relativ kurzen Jacken und sogenannten Skiblusen, die in Taille und Hüfte eher schmal geschnitten waren. In den Sechzigerjahren wurde es ziemlich bunt in der Skimode – und sehr urban. Die Hosen waren inzwischen so eng wie Leggins. Noch farbenfroher waren die Siebzigerjahre: Jetzt gab es Skianzüge in allen möglichen Farben zu kaufen. Am Berg entwickelte sich ein eigener Kleidungsstil: Alles war jetzt mit Daunen gepolstert, bunt und voluminös. Dies führte in den Achtzigerjahren dazu, dass dicke Daunenjacken auch immer öfter in den Städten auftauchten – und nicht nur im Winter. Das bekannteste Beispiel waren die Paninari in Mailand, eine Gruppe von Jugendlichen, die mit voluminösen Moncler-Jacken auf ihren Mofas durch die Stadt brausten. Die exklusiven Skijacken sollten signalisieren, dass man sich mit dem Kreis der Bestverdiener identifizierte, die ihre Winterferien in den erlauchten Skiorten verbringen. Diese Assoziation macht Ski-Outfits noch heute zur modischen Inspiration.

Mittlerweile wird Skifahren allerdings nicht nur mit Wohlstand, sondern auch mit Umweltzerstörung in Verbindung gebracht. Vielleicht wird es also einmal so sein, dass man missbilligende Blicke erntet, wenn man in der Stadt oder sonst wo mit bunter Daunenjacke aufkreuzt.

Foto: Peter Langer / Bunt wie in den Siebzigern: Skijacke von Colmar

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