© Silvio Knezevic

Agrodolce: Soße für alles

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Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 48/2019

Beim Stichwort süßsaure Soße zuckt der Kochinteressierte zusammen. Ist etwa dieses "chinesische" Gericht gemeint, für das Schweinefleisch erst in einem Teigmantel frittiert wird, um dann zusammen mit Ananasstücken in eine Soße aus Ketchup geworfen zu werden? Nein! Es geht hier um eine italienische Soße aus Honig, Essig, Mandeln und Rosinen. Sie hat sich bislang dem Prozess entzogen, für den ich keinen Namen habe: Herrliche Gerichte werden über die Zeit immer schlechter, bis niemand mehr weiß, dass sie mal gut geschmeckt haben. Wie nennt man das? Und warum passiert es nur mit Essen und nicht mit beispielsweise Staubsaugern? Oder ich habe einfach schlechte Laune, und Ananas-Ketchup-Soße ist etwas ganz Wunderbares, wenn man im Gegensatz zu mir mit offenem Herzen durch die Welt geht. Ich bleibe trotzdem erst mal bei meiner Agrodolce. Man kann sie zu allem Möglichen essen, zu Schweinefleisch natürlich, zum Beispiel zu einem gebratenen Kotelett. Oder zu einem im Ofen gebackenen Ziegenkäse. Für mich ist Agrodolce auch eine Ausrede, wieder mal Gemüse im Ofen zu verbrennen. Hokkaidokürbis und Süßkartoffeln sind geeignet. Jeweils in Scheiben geschnitten, mit etwas Olivenöl beträufelt, brauchen sie bei 180 Grad 25 bis 30 Minuten. Gut ist auch eine gebackene Aubergine, die aber noch nicht komplett zerfällt. Man lässt sie im Ganzen, sticht die Haut mit der Gabel mehrmals ein und backt sie 40 Minuten lang im Ofen.