© Lisa Hörterer

Andreas Kieling: Der Bärenflüsterer

Normalerweise begnügen sich Tierfilmer damit, die Natur in Szene zu setzen. Warum riskiert Andreas Kieling dafür sein Leben? Von
ZEITmagazin Nr. 48/2019

Angenommen, aus Andreas Kieling wäre kein Mensch geworden, sondern eines der Tiere, die ihn faszinieren: Wie wäre dieses Tier wohl beschaffen? Kein Zweifel, ein friedliebender Marienkäfer wäre er nicht. An einem Morgen im Mai dieses Jahres steht Andreas Kieling vor der Garage seines Hauses in einem Dorf in der Eifel, über ihm an der Fassade hängt ein Hirschgeweih, und Kieling ist extrem schlecht gelaunt. Er hat anstrengende Drehtage im Thüringer Wald hinter sich. Er war mit seinem Kameramann für die Filmreihe Terra X auf der Suche nach seltenen Wildkatzen, die sich partout nicht zeigen wollten. Spät in der Nacht ist er zurückgekehrt, hat sich um halb fünf ins Bett fallen lassen und kaum geschlafen. Nach dem Aufstehen hatte er Streit mit Birgit, seiner Frau, von der er sich vor vier Jahren getrennt hat, die aber weiterhin im selben Dorf wohnt und Kieling noch immer beim Bürokram hilft. Seine neue Lebensgefährtin Lea Goldberg, eine junge Pferdetrainerin, musste schon früh am Morgen mit Schmerzen zum Zahnarzt. Dann tauchte der Schornsteinfeger auf und wollte Kieling eine Spezialreinigung des Kamins aufschwatzen. Schließlich klingelte ihn ein Zeuge Jehovas heraus und wedelte mit der Zeitschrift Erwachet!. Doch Andreas Kieling wollte nicht erwachen, er war todmüde.