Harald Martenstein: Über den Ärger, den eine defekte Waschmaschine verursacht – und das Chaos beim Installieren einer neuen

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Aus der Serie: Martenstein ZEITmagazin Nr. 49/2019

Wir haben 2011 eine Waschmaschine gekauft. Ein paar Jahre später habe ich eine Waschmaschinenversicherung abgeschlossen. Die Versicherung kostet 10 Euro im Monat. Sie bezahlen die Reparatur oder eine neue Maschine, falls die alte völlig hinüber ist. Der Mann von der Versicherung sagte: "Ganz easy."

Nun war die Maschine kaputt. Das sogenannte Servicecenter hatte vier Wochen später einen Reparaturtermin frei. Ohne Versicherung hätte man sicher schon in zwei Tagen einen Mechaniker gekriegt. Was tut man da? Man wäscht bei Nachbarn, zieht selten etwas Frisches an und stellt sich unangenehme Fragen. Warum tue ich oft Dinge, die nicht gut für mich sind, etwa, eine Waschmaschinenversicherung abzuschließen? Nach vier Wochen kam der Techniker, um festzustellen, dass die Maschine hinüber ist. Eine Woche später traf ihre Nachfolgerin ein. Arbeiter stellten sie vors Haus. Der Transport in die Wohnung und das Anschließen der Maschine ist bei der Versicherung nämlich nicht inklusive, der Abtransport der Altmaschine schon gar nicht. Wir haben den Arbeitern Geld angeboten. Sie sagten, die Maschine sei sehr schwer, deswegen könnten sie es nicht machen. Geld spiele keine Rolle.

Ich bin nicht stark. Seit ich Hafermilch trinke, noch weniger. Die Frau hat sich auf die Suche nach starken, männlich-dominanten Männern gemacht, die Frauen beeindrucken möchten. Zum Glück gibt es sie noch. Die dominanten Männer grinsten mich an und stellten die Maschine in die Küche. Ihre Schwester wurde von der Firma Studenten-Power für 80 Euro abgeholt. Die Powerstudenten waren drei freundliche, ältere, weiße Herren mit schütterem Haar, vermutlich ehemalige Professoren. Ein Bekannter, der im Hauptberuf für die SPD arbeitet, sagte, er wisse, wie Waschmaschinen angeschlossen werden.

Die Maschine wurde angeschlossen, danach wurde der Trockner auf sie hinaufgewuchtet, denn die Kammer ist recht klein. Die neue Maschine rülpste und knatterte. Es lag daran, dass der Bekannte vergessen hatte, den Wasserhahn aufzudrehen, der jetzt unzugänglich hinter den beiden Maschinen lag. Nun kam der Mann der Patentante. Es gelang ihm, den Wasserhahn aufzudrehen. Was nun passierte, hatte niemand auf der Rechnung.

Die neue Maschine gab panische Geräusche von sich. Sie schüttelte sich, schlug aus und bockte wie ein Mustang, der zugeritten wird. Der Trockner aber tanzte und hüpfte wie ein Rodeoreiter auf der Waschmaschine herum, dabei schlug er donnernd gegen die Wände der Kammer. Im Bad, das neben der Kammer liegt, quoll Wasser aus dem Boden, aus den Ritzen zwischen den Fliesen. Ich sagte: "Das ist unmöglich. Wasser fließt nach unten." Nun kam der beste Installateur Berlins. Er ist der beste, weil er als Erster erkannte, dass die Transportsicherung noch in der Waschtrommel verschraubt war. Die Schrauben sind so lang wie ein Babyarm. Der Badboden muss jetzt aufgebrochen werden, unter den Kacheln tun sich physikalisch unmögliche Dinge. Duschen geht bis auf Weiteres nicht mehr.

Warum bin ich so unpraktisch? Warum bin ich zu nichts Nützlichem nütze? Als ich das letzte Mal die Koffer vom Hängeboden holen wollte, habe ich versehentlich die Flurlampe aus der Verankerung gerissen. Das Schlimmste aber ist, dass man niemand anderem die Schuld geben kann. An allem sind in unserer Gesellschaft immer andere schuld. Die Flurlampe, das war wohl ich. Nein – immer wenn ich als Kind mal basteln wollte, kam meine Oma und hat mir einen ihrer superspannenden Arztromane hingelegt. Irgendwie ist sie schuld.

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