Möbeldesign: Tragbare Möbel

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 49/2019

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Mode und Design? Das erkennt man am besten, wenn Modedesigner Möbel machen und Möbeldesigner Mode. Schaut man sich die sogenannten Home-Kollektionen der Modemarken an, findet man in den meisten Fällen recht konservative Möbel, die mit bedruckten Stoffen aus der neuesten Kollektion des Modehauses bespannt sind. So, wie Modedesigner Menschen nutzen, um ihre Kleider durch die Welt spazieren zu lassen, benutzen sie auch Möbel: Sie ziehen sie einfach an.

Umgekehrt kommt es immer mal wieder vor, dass Möbeldesigner mit Modemarken kooperieren. Prada zum Beispiel hat im vergangenen Jahr mit mehreren Designern und Architekten zusammengearbeitet, darunter Rem Koolhaas (der auch die Prada-Laufstege gestaltet), Herzog & de Meuron und Ronan & Erwan Bouroullec. Die Brüder Bouroullec entwarfen eine Tasche im Stil einer Grafikmappe, wie sie Kunststudenten bisweilen tragen. Rem Koolhaas konstruierte einen Rucksack, der nicht auf dem Rücken, sondern vorm Bauch getragen wird.

Warum hat man einen solchen Rucksack noch nie zuvor gesehen? Weil kein Modedesigner auf die Idee käme, etwas zu entwerfen, das innovativ ist, aber nicht schön. Möbel- und Industriedesigner haben einen völlig anderen Zugang als die Kollegen aus der Mode: Sie fragen sich, wie etwas besser gemacht werden könnte, wie es praktischer oder energiesparender sein oder neuartige Funktionen haben könnte. Ihnen fällt dazu viel ein, weil sie die Kleidung, die es zu kaufen gibt, als unperfekt empfinden und ihnen sofort Dinge einfallen, die man anders machen könnte. Wenn sie dann tatsächlich mal Mode entwerfen dürfen, wird es sehr innovativ – aber in der Regel trotzdem kein Bestseller. Denn in der Mode geht es ganz selten um Praktisches.

Möbeldesigner behandeln Kleidung wie Haushaltsgegenstände, die den Kunden lange begleiten sollen. Mode aber besteht aus Stücken, die nur für wenige Monate aktuell sind – sie ist ausgemachte Vergänglichkeit und Unvernunft. Würde die gesamte Mode von Möbeldesignern entworfen, bestünde sie aus vielseitig verwendbaren Stücken, die nie kaputtgehen. Das wäre vielleicht eine bessere Welt, aber eine ohne Mode.

Konstantin Grcic hat nun eine Kollektion für Boss entworfen. Das Auffälligste daran sind schöne T-Shirts mit selbst gestalteten Drucken, die die drei Städte Mailand, New York und Shanghai darstellen. Das macht die Welt nicht besser, und eigentlich braucht das auch niemand. Grcic ist also einer der wenigen Möbeldesigner, die auch Mode machen können.

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Ich war bei der Präsentation der Kollektion im prada Store und konnte mir neben dem Rucksack noch die anderen Objekte ansehen. Ein Hemd, Aktenmappe, Schürze, anglerweste etc. Nichts was tragbar oder wirklich praktisch wäre, vom Hemd mal abgesehen, eher was für ein Museum. Aber es gab eine Auflage zum Verkauf, kann mir nicht vorstellen, dass es einen Sammlerwert oder einen Netzwerk haben wird.